478 Anhang.!!. Abhandl.v. Mauergemälden
nett, fein und auserwählt zu halten trachtete, da-mit er sie allemal frisch und wohl unterschiedenfinde. Denn eine jede andre Vermischung, die sicheräugnen kann, als Staub, Unrath oder andreFarben und dergleichen, machen Verwirrung, undbenehmen ihnen die Reinigkeit, das frische undlebhafte Wesen. Um sie mit einem Worte wohlanzuwenden, darzu ist große Uebung, Erfahrung,Aemsigkeit und ein aufmerksames Auge vonnöthen.
Ist man hernach entschlossen, Frefto zu ma-len, so muß man zum Voraus überzeugt seyn,daß die Mauer allerdings keine andern, als na-türliche aus der Erde hervorgebrachte Farben ver-langt, die nämlich, wie die Mauer selbst, Erdenfind, sonst aber in allen. Städten können gekauftwerden. Solche Farben reibt man mit frischemWasser. Ich weis, daß moderne große Künst-ler das Geheimniß besitzen, auch andre, als bloßeErdfarben, zum Frescomalen zu brauchen. Die-ses aber hilft der Kunst nicht, es sey denn, daßsie dadurch eine Farbe erhalte, die ihr noch man-gelte. Können Schüler dieser nachspüren, sowerden sie um so viel farbenreicher; wo nicht, somüssen sie sich mit dem, was sie haben, wie diealten Italiäner begnügen, die der farbenreichsteMaler mit seinen Geheimnissen noch nicht über---troffen hat.
Ich schreite nun zu der weißen Farbe. Diesezu erlangen, pflegt man den allerfeinsten undweißesten Kalk zu nehmen, welcher noch gereini-
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