Band 
[Theil II.]
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490 Anhang. U. Abhandl. v. Mauergemalden

mit gedachter dunkeln Farbe darüber, und brach-ten verschiedene Schatten, angenehme halb- unddunkle Farben heraus. Endlich nahmen sie dieletzte dunkelste Farbe, und vollendeten die äußer-sten Schatten. Diese Künstler machten, daßüberhaupt ihre Schatkirungen auf der Mauer ebenso erschienen, wie andke dieselben in ihren Ge-schirren bereiteten.

Italien hat einen solchen Künstler gesehen,der alle übertraf, und mit beyden Händen zu-gleich an verschiedenen Gegenden auf der Mauerfortmalte, seine Arbeit auch mit solcher Fertig-keit vollendete, daß man nicht wußte, ob manseine Kunst, seine Dreistigkeit, die Anmuth sei-nes Pinsels, oder seine Geschwindigkeit bewun-dern sollte. Er malte für den Prinz Doria zuGenua, und nennte sich Lucchetto.

Man hat auch Frescomaler gesehen, welcheohne Entwurf, ohne Schizzen, Zeichnung oderCartonen große Werke unmittelbar auf den nas-sen Kalk angefangen und glücklich ausgeführt ha-ben. Man konnte jeden dreisten Pinselstrichdarinn wahrnehmen; allein solche gewaltige undtrotzige Arbeiten wurden nicht sonderlich geachtet;man durste sie nicht mit gelehrten und kunstver-ständigen Augen ansehen. Ihre hurtige Manier,die starken Farben, der frische, lebhafte, glühendeund körnigte Ausdruck überraschte den Beobach.ter beym ersten Anblick so sehr, daß er den Zwei-fel nicht in Acht nehmen konnte, mit welchem solche

Künst.