142 Von Vermehrung der Einwohner
das Herz geschrieben ist, verabscheuen nichts so sehrals eine strenge und sclavische Beherrschungen;und wenn sie vollends wahrnehmen, daß die Strengekeinen andern Endzweck hat, als ihr Blut und Ver-mögen durch unerschwingliche Abgaben auszusaugen,so wird sie nichts, als die Unmöglichkeit, abhalten, einsolches Land mit dem Rücken anzusehen. Ein Mo-narch, der seine Länder mehr bevölkern will, mußdemnach in allen seinen Absichten, Maaßregeln undHandlungen nichts als Gütigkeits volle Gesinnungen,und eine ungemeine Liebe vor sein Volk auf das über-zeugendste zu erkennen geben. Wenn die MenschenBefehle und Unterwürfigkeit mit Vergnügen ertra-gen sollen: so müssen sie in ihren Herzen versichertseyn, daß alles aus Liebe und Vorsorge vor ihreWohlfahrt geschieht.
§. 142.
Die Unter« Hierbey muß den Unterthanen eine vernünftigesen"eilie"vM Freyheit gelassen werden. Die Freyheit ist so sehriiünsticie nach dem Geschmacke aller Menschen, das ihnen nichtsmessend si> sehr zuwider ist, als die Einschränkung ihrergleichgültigen oder unschuldigen Handlungen. Ausdiesem Grunde sind die freyen Republiken allemalungleich mehr bevölkert, als die Länder, die einermonarchischen Regierungöform unterworfen sind.Ich will von Holland nicht sagen, das vielleichtseine gute Lage zur Handlung volkreich macht. Alleindie Schweiz giebt ein unläugbares Beyspiel davonan die Hand. Dieses gebirgigte und unfruchtbareLand, welches die meisten Nothwendigkeiten in an-dern Ländern aufkaufen muß, ist in seinen wildestenGegenden, wie alle Reisende einmüthig versichern,viel bevölkerter, als das ««gränzende Italien undFrankreich, davon doch das erste wegen seiner vonder Natur empfangenen vortrefflichen Beschaffenheit