Buch 
Johann Heinrich Gottlobs von Justi Staatswirthschaft, oder, Systematische Abhandlung aller oeconommischen und Cameralwissenschaften, die zur Regierung eines Landes erfordert werden
Entstehung
JPEG-Download
 

War Ar-muth ist.

Was Aus-kommen ist.

Was manunter einemvermögendenManne ver-steht.

Wer reichsenennet«erden kann.

Z92 Von deck Vermögen überhaupt.

ihrem Stande und Beschaffenheit die Nothdurft nichtschaffen können, sagen muß, daß sie in Dürftigkeitleben. Der Mangel aller Nothdurft aber wird dieArmuth genennet. Einige andere können sich vonihren Diensten oder Gewerben nicht allein die Noth-durft nach ihren: Stands und Beschaffenheit ver-schaffen ; sondern sie können sich auch alle Bequem-lichkeiten des Lebens, die sie mit Grunde verlangenkönnen, zuwege-bringen, und von diesen sagt man,daß sie ihr gutes Auskommen haben.

§. 4ZZ.

So beträchtlich aber auch die Einkünfte sind, diejemand aus seinen Diensten oder Gewerben zieht;ja wenn er sich auch dadurch den Ueberfiuß verschaffenkönnte: so kann man doch nicht sagen, daß er inengem Verstände Vermögen besitzt. Das Vermö-gen in dieser Bedeutung setzet schlechterdings eigen-thümliche Güter voraus (§. 4:9.); und denjenigenkann man erst einen vermögenden Mann nennen,der von den Einkünften oder Nutzungen seiner beweg-lichen oder unbeweglichen Güter sich alle Nothdurftund Bequemlichkeiten des Lebens seinem Stande ge-mäß verschaffen kann. Eben diese Beschaffenheithat es mit dem Reichthums. Man kann denjenigennur einen reichen Mann nennen, der sich von derNutzungseiner eigenthümlichen, beweglichen, oderunbeweglichen Güter nicht allein die Bequemlichkei-ten des Lebens, sondern auch den Ueberfluß verschaf-fen kann. Jedoch kömmt es bey allen diesen ver-schiedenen Beschaffenheiten des Vermögens gar sehrauf den Stand und die Würde des Besitzers an.Ein reicher Bauer würde deshalb kein reicher Kauf-mann seyn, oder ein reicher Edelmann würde vielleichtnur einen vermögenden Grafen vorstellen: so wieein Vornehmer einige tausend Thaler im Vermögen