214 Eilfter Brief.
hastest« Dankgefühl gegen die wolthätige Vorsehung desMgükigen eine Kartoffelpflanzung erblicke, so trat ichhier mit Ehrfurcht in den Schatten dieser nüzlichen Baueme. Der Sevenole ißt des Tages zwey bis dreymalseine Kastanien, bald gekochL, bald trocken, bald imOel gebraten, zuweilen als Brodtkuchen zubereitet. DieAepfci und Birnen von seinen Obstbäumen verkauft ergewöhnlich in die Handelsstädte des Untern Langedoks;selten kömmt Brodk, noch seltener ein Bißchen Fleisch aufdie Tafel des gemeinen Mannes; sein Getränke ist Was-ser und Schaasmilch, wenn er sich etwas zu gute thunwill. Wer ein Wirthshaus betritt, wird von seinenNachbarn als ein verdorbener Mann angesehn, der frühoder spät sein Gütchen verkaufen muß.
Der Kastaniengarten tragt hier Vier vom Hundert sei-nes gewöhnlichen Kaufpreises, und das mit Maulbeer-bäumen bepflanzte Land Zehn vom Hundert; indessenlegt man sein Geld lieber an Kastanienpflanzungen. DerMaulbeerbaum dauert höchstens tZ. Jahre; das bestän-dige Abblättern beschleunigt seinen Untergang; er federtüber das viele Sorge; seine Blätter sind um vieles zärt-licher, als selbst die Blüthen und Früchte des Kastanien-baums; daher geschieht es, baß bey etwas kaltem Früh-ling der erste Anwachs leicht fehlschlagt. Der Kastanien,bäum dauert hingegen ein Jahrhundert, und ist sehrfruchtbar; die Beyspiele sind selten daß seine Frucht fehlte;er wird hochstämmig, giebt Bauholz und Feuerung; mei.stens aber wird sein Hol; zu Weinfässern verarbeitet,von denen jährlich viele tausend aus den Sevennen nachSekte verkauft werden, um mit dem Langedokschen Mus-kat-und Brandtwein in fremde Länder zu gehen.
Wir stiegen hoch an den Berg auf der Westseite desThals, und sezten uns in den Schatten eines Kastanien-baums. Vor unsern Augen lagen das ganze Thalchen,