yo Geschichte von Frankreich
-die Vollziehung der Vermählungen aufzuhalten , und daß es also rathsam wäre,
l6lZ. ihm noch jemand an die Seite zu setzen, der auf sein Verhalten genauer Achtunggäbe.
Der Herr von Pontchartrain überbrachte dem Prinzen von Condee ein Schreibenvon dem Könige, welches vom sechs und zwanzigsten Julius dacirt war, worinnen erihm berichtete, daß er entschloßen wäre, den ersten August abzureisen, daß er ihnbäte, ihn zu begleiten, oder in Gegenwart des Herrn von Pontchartrain zu erklären,»b er gehorchen wollte, oder nicht. Ein so dringender Befehl diente dem Prinzenvon Condee zum Verwand , um dir Mafquej abzunehmen und die Unterhandlungabzubrechen.
Er antwortete dem Könige, es wäre die übereilte Abreise seiner Majestät eineFolge von den bösen Rathschlägen, die ihm Leute gäben, welche sein Zutrauen miß,braucheten; er hätte sich bis hieher enthalten, sie ihm zu nennen , um ihm nicht zumißfallen, und um die Königin, seine Mutter, zu schonen; ec könnte aber am En»de nicht umhin, ihm zu sagen, daß die wahren Urheber aller der Unordnungen,worüber die allgemeine Versammlung der Reichsstände und das Parlement in ihrenVorstellungen sich beschweret hätten, derMarschal von Ancre, dcrKanzler, dcrCom,menrhur von Sillery, Büllion und Dollee wären; er verlangte ferner, man solltewegen des , an dem Herrn Prsuville, Major der Citadelle von Amiens , begange,nen Meuchelmords, Recht schaffen , und den Meuchelmörder in .die Hände der or,denklichen Richter übergeben r". Schließlich bat er den König, ihn zu entschuld!,gen, daß er sich weigerte, ihn auf feiner Reise zu begleiten ; tndeßen aber erbot ersich doch, ihm zu folgen, wenn der König vorher alle die Mißbrauche abstellen woll,le, welche die allgemeine Versammlung der Reichsstände und das Parlement die Ehregehabt hätten ihm vorzustellen. Dieses hieß in der That die Reise des Königs sehrweit hinaus verschieben, da er verlangte, daß vorher diese Bedingung sollte erfülletwerden.
Meuchelmord, Das Begehren des Prinzen von Condee, daß man wegen des, an Prouville,der dem Mar-Major der Citadelle von Amiens, verübten Meuchelmords Recht schaffen sollte,schal von Ancre^^ mittelbar den Marfchal von Ancre an, den man als den Haupturhebcr dieserMordthat betrachtete. Diese Sache machte damals großen Lärmen, weil die Ehredes Marschals darunter litte; und da sie zum Theil dem Parlemcntsausspruch , wo,durch sein Andenken beschimpft und ehrloß gemacht wurde, zum Grunde dienere,so wird nicht undienlich seyn , sie hier etwas umständlicher anzuführen.
Es befanden sich unter der Besatzung der Citadelle von Amiens nicht mehr, alsvier Soldaten, die Italiener waren. Einer von ihnen gericth mit einem Apothekers,jungen aus der Stadt in Streit, und gab ihm einen Stoß mit einem Dolche aufLeu Kopf. Der Soldat wurde ergriffen und man machte ihm seinen Proceß mir groß,ter Eilfertigkeit. Der Prokurator des Königes stimmte nur auf eine öffentliche Ab-bitte vor dem Laden des Apothekers und auf die Landesverweisung: Allein der Bann-richter verurthcilte ihn , daß er sollte gehenkt werden, und dieses Urtheil wurde nochden nämlichen Tag an ihm vollstrecket. Der Junge, den er verwundet hatte, warschon geheilet und befand sich so wohl, daß er der Hinrichtung, nebst andern Zu,schauern, beywohnete. Der zum Tode verurthcilte Soldat behauptete, er hätte ihnnicht gerodet, und sagte !n Einfalt, er glaubte, daß ihn GOtt deßwegen straffste,weil er selbigen Tag keine Meße gehöret hätte.
Man
>2» Schreibendes Prinzen von Condee, gegeben in Concy, den acht und twaniigste» Julius.