96 Geschichte von Frankreich
" Um diese Zeit herum geschahe es , daß der Graf von Canbale, ältester Sohn
des Herzogs von Epernon, seinen Vater verließ und sich zu der Partey derProrestan«ten schlug. Dieser junge Herr kam nach Nimes, wo sie ihre Versammlung hielten,er ließ sich zum General von den Cevennes erklären, und er bezeugte so viel Eifer fürdie Vortheile der Partey, daß man darüber die gemäßigten Rathschläge des Herrnvon Chakillon verwarf, dem der Name des Admirals von Coligni ein großes Ansehengab. Der Herzog von Epernon, der jederzeit ein abgesagter Feind der Protestantengewesen war, zog sich die That seines Sohnes so sehr zu Gemüthe, daß er fast fürSchmerz darüber gestorben wäre. Man brachte ihn nach Angouleme, wo er, wie derVcrfaßer seiner Lebensbeschreibung versichert länger als vierzig Stunden ohnePuls und ohne Bewegung lag. Er erholte sich sehr schrvehr wieder von dieser Krank,hcit, aber sein Schmerz vermehrte sich ohne Zweifel, da er sahe, daß man in demTractat, den die Protestanten mit dem Prinzen von Condee schloßen, gleich zu Anfangverlangte, daß eine genaue Untersuchung wegen der vornehmsten Urheber des Todesdes hochsccligcn Königs sollte angestellet werden. Die von Ecouman hatte ihn diesesVerbrechens beschuldigt. Dieser Artikel mußte nothwendig ganz Frankreich wiederuman diese Beschuldigung erinnern, und es war etwas sehr hartes für einen Vater, sei«Nen Sohn unter einer Partey zu sehen, die seine Ehre aus eine so grausame Art anta«stete. Er wendete alles, was ihm nur möglich war, an, um den Grafen von Can«dale wieder zu gewinnen, uno er war auch so glücklich, daß seine Bemühungen die ge-wünschte Würkung nach sich zogen. Dieser Graf erkannte bald seinen Fehler. Erkam wieder zu seinem Vater zurück und verließ die Partey und die Religion der Prote,stanken, welche er nur aus einem Verdruß und aus einer Leichtsinnigkeit angenommenhakte, die man auch so gar der Lebhaftigkeit seiner Jugend schwehr verzeihen konnte.
Als der Hof den siebenden Oktober zu Bourdeaux angekommen war, so war dieKönigin so vergnügt, daß sie ihre Kinder, mitten unter den Unruhen eines clnheimt«schen Kriegs, ohne einigen Unfall bis an das äußerste Ende des Königreichs gebrachthalte, daß sie für Freude darüber weinte r'
Man vernahm indcßen, daß der Herzog von Rohan die Waffen ergriffen hatteund bis nach Tonneins vorgerückt war. Er war nicht stark genug, um die unter denBefehlen des Herzogs von Guise stehende Armee anzugreifen, welche den Zug des Kö,nigcs bedeckte Er hatte nicht mehr, als zwcykausend und fünfhundert Mann Fuß«Volks, und drey oder vierhundert Pferde zusammen bringen können. Die Annäherungdieser kleinen Armee, welche von Tag zu Tag stärker werden konnte, versetzte den Hofin Unruhe. Man hielte Rath auf dem Schloße dü Ha, wo die Königin Mutter ihrQuartier hatte, und man beschloß, baß la Broße, Fähndrich von den Leibtrabanten,sich zu dem Herzoge von Rohan nach Tonncins verfügen sollte, um von ihm zu ver«nehmen, was für Ursachen ihn bewogen hätten, die Waffen zu ergreifen, und wasder Hof thun könnte, um ihn zu befriedigen.
La Broße begab sich nach Tonncins, allwo er den Herzog von Rohan, denMarquis de la Force, Favas, Pardaillan und mehrere andere Edelleute fand, welcheihre Truppen auf der Seite von der Landschaft Arwagnac über die Garonne gehen lies,sen. Er cröfnete ihnen den Gegenstand seines Auftrags; aber sie sagten ihm, er würde
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-a abgereiset war und de» '.Oelob. zu Anqouleme " s Vie äu äue «i'Lpervon, t. r.ankam- Der Vcrfaßer dieses Buchs hat öfter
als einmal dergleichen Widersprüche zu Schul« ''" Llsrcure k'ranzo», t. 4.den kommen laßen.