unter der Regierung Ludwigs xm. 107
Er fügte hinzu, wenn man versammlet seyn würde, um sich zu berathschlagen, so woll« -teer, wenn die Ordnung an ihn käme, seine Meynung sagen, so wie es ihm GOttzum Besten des königl. Dienstes und des Staats in den Sinn geben würde. Nein,sagte die Königin, ich will jetzt Ihre Gedanken darüber wißen. Alsdann machte ersich kein Bedenken, ihr frey heraus zu sagen, daß er ihr rathen wollte, die zween Ar«tikcl, worauf es ankäme, zu bewilligen: Was die Citadelle von Amiens anbeträfe, sokönnte sie solche ja wohl dem Marsch«! von Ancre nehmen, und ihm dafür»» einerandern Provinz ein ansehnlicheres Gouvernement geben, welches ihn we^en deßen, soer verkehren, reichlich entschädigen könnte; es würde aus diese Art scheinen, als hätteder Marschal feinen eigenen Vortheil und Besitz, um des Friedens willen, aufgeo»pfert, und sie könnte, ohne daß es ihr etwas kostete, ganz Frankreich zeigen, daßihre besondern Diener und Creaturen ihr nicht so lieb wären, als die Ruhe des StaatS.
In Absicht auf den Artikel, der den Prinzen von Condee angieng , stellte erder Königin folgende Schlüße vor. „ Dieser Prinz wird entweder nach Hof kommen,„ oder er wird nicht kommen; kommt er nicht, so verlangt er nichts von Denenselben,und Sie räumen ihm auch nichts ein, weil er, in seiner Abwesenheit von dem Hof,„ keine Verordnung des Sraarsrathes und keine Rechnung der Rentkammer wird un»„ terzeichnen können. Kommt er nach Hof, so wird er entweder vollkommen Eurer„ Majestät unterworfen seyn, und nichts, ohne Dero Einwilligung, vornehmen,oder er wird in seinen schlimmen Absichten fortfahren und suchen, Eingriffe in De«„ ro Gewalt zu thun, oder sich eines Theils derselben anzumaßen. Im ersten Fall„ werden Dieselben den Vortheil haben, daß Ihnen ein erster Prinz vom Geblüt,„ der eine große Geschicklichkelt und Einsicht in die Staategcschäfte besitzet, ergeben„ ist. Findet hingegen der zweyte Fall statt, wie können Dieselben sich fürchten, eine„ Feder einem Manne in die Hand zu geben, deßen Arm Sie beständig halten werden?
Kaum hatte er ausgeredet, so ergrif Barbin, bey dem die Richtigkeit undGründlichkeit dieser Schlüße einen lebhaften Eindruck gemacht hatte, die Königin un»bescheidener Weise bey dem Arm, und drückte ihr denselben, indem er zu ihr sagte:„ Madame, dieses ist der vortceflichste Rath, der von dem größten Mann kommt,„ den Sie finden können. Dieselben müßen sich daran halten, und keinen andern su«,, chen, denn dieses ist der einzige, den Sie annehmen können. „ Die Königin dank,te sogleich dem Herrn von Villeroi und versicherte ihn, daß sie seiner Meynung beyfal«len würde. Und als er die zwo Forderungen des Prinzen von Condee in dem Staats«rathe vortrug, so that die Königin, ohne zu erwarten, daß jemand seine Stimme ge«geben hätte, die Erklärung, daß sie gedachte Forderungen bewilligte.
Allein obgleich Baßomplerre, der alle diese besondern Umstände in seinen Denk,fchriften anführet, damals dem königl. Staaterath bcywohnete, so scheinet es dochnicht, daß diese Sache mit so großer Eilfertigkeit seye abgethan worden '» e. Denneheste noch entschieden wurde, hatte man Zeit, eine weikläuftige Schrift heraus zugeben, worinnen man ausführte, wie nachtheilig es ware, die Citadelle von AmicnSIn ihrem Stande zu laßen., und was für Gründe den König bewegen sollten, sieschleifen zu laßen. Der Marschal von Ancre, der damals zu Paris war, erfuhr,daß man in dem königlichen Staatsrathe überlegte, ob es dienlich wäre, die Citadellevon Amiens zu schleifen, oder nur einen andern Gouverneur dahin zu setzen, und erhatte Zeit, an die Königin Mutter einen Brief zu schreiben, der öffentlich bekannt ge«
(O) r macht
1616.
^ d iviercure , t. 4,