Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
JPEG-Download
 

n6 Geschichte von Frankreich

-.""""" Palast von Condee begleiten. Baßompierre gieng ihm mit dreyßig Personen zu Pferd

t6l6 entgegen, »md der Marscha! hatte deren ungefähr vierzig. Dieses Gefolg vermehret«sich, als sie in die Stadt gekommen waren, und da sie bey dem Palast von Condeeanlangten, so hatten sie bey hundert Personen zu Pferd bey sich. Der Marscha! hat-te wiederum den Verdruß, daß er den Schuster Picard antraf, welcher, da er ihnsahe, anficng zu schreyen, um das Volk zu einem Aufstand zu reitzen. Allein dasVolk, welches ohne Zweifel durch die Gegenwart der Reuter zurückgehalten wurde,machte keine Bewegung. Der Marscha! blieb ungefähr eine Stunde bey dem Prin-zen von Condee, dem er alle Gunst der Königin Mutter anbot, wenn er ihn mit sei-nem Schutz beehren wollte. Der Prinz versprach es ihm. Der Marschal und seineGemahlin verließen sich allzu leichtsinnig auf dieses Versprechen, und da sie sich vondem Prinzen unterstützt sahen, so glaubten sie, ihr Glück wäre auf beständig beve-sslget.

Barbin, welcher damals ihr ganzes Vertrauen hatte, warncte sie,daß der Prinzvon Condee nichts anders suchte, als seine Macht auf ihren Untergang zu gründen,und daß die Freundschaft, so er gegen sie bezeugte, nur verstellt wäre, und daß sieihn a!s eine Stütze betrachten sollten, die sich ihnen bey der ersten Gelegenheit entzie-hen würde. Allein sie waren stolz darauf, daß sie mit der Gunst der Königin Mutterden offenbaren Schutz des ersten Prinzen von Geblüt zu vereinigen gcwrist hatten,«nd schlugen die Warnungen Barbins in den Wind, indem sie sich einbildeten, daß ihreDerHerM vvn Macht unbeweglich vcst gegründet wäre. Doch sie wurden bald aus dem Irrthumkonao sil!e be, gebracht durch die Unternehmung des Herzogs von Longueville auf die Stadt Peronne,machkiget sich welche die Losung zu dem dritten bürgerlichen Krieg wurde. Diesem Prinzen war esder Stadt Pe« ^jcht gcmrg, daß er den Marschal von Ancre aus der Citadelle von Amiens vertriebenismre. ; er wollte ihm auch noch das Gouvernement von Peronne nehmen. Die Ein-

wohner, welche den Marschal haßeten, waren alle zu einem Aufstand bereit; manhatte sie beredet, daß er alle die Truppen, so aus Amiens ziehen sollten, zu ihnen schi-cken wollte, um sich von ihrer Stadt Meister zu machen, und sie ausplündern zu las-sen. Der Bürgermeister und der Aiscaladvocat, welche die vornehmsten Urheber die-ser falschen Gerüchte waren, wurden an den Marschal abgeschickt, um wegen seinesVorhabens sich zu erkundigen ' Er bezeugte gegen sie, daß ihm nichts weniger,als dieses, in den Sinn gekommen wäre, und daß er sie nur blos in dem Dienste desKöniges und bey ihren Freyheiten erhalten wollte, ohne eine andere Besatzung, alsdiejenige, welche man ihnen jederzeit gegeben hakte. Allein man war allzusehr widerihn eingenommen, um ihm zu glauben. Das Volk ergrlef die Waffen und nahm sei-ne Zuflucht zu dem Herzog von Longueville; es war vergebens, daß der Marschal dc-nRitter von Coneinl, seinen Bruder, zu ihnen schickte, um sie aus dem Irrthum zubringen; man ließ ihn nicht in die Stadt hinein, und als Favolö, der Befehlsha-ber über die Besatzung war, sich hinaus begeben hatte, um mit ihm zu sprechen, soschloß man die Thore vor ihm zu, da er wieder hinein wollte. Der Herzog von Lon-gueville langte kurz darauf allda an, und wurde ohne Schwierigkeit aufgenommen.Die Truppen von der Besatzung hatten sich in das Schloß gezogen ; der Herzog vonLongueville ließ den Soldaten sagen, wenn sie sich wehreten, so würde er sie alle auf-hängen laßen; wenn sie sich aber ergäben, so sollten ihnen sogleich vier Monate vonihrem Sold, die man ihnen schuldig war, bezahlt werden. Die Furcht vor dem Todeund dir Liebe zum Geld, welches zwo Haupktriebfedern dtp menschlichen Handlungen

sind,

ALrm. mls. äs rklingu» Äü bdnkemn >- iVisreml.