Band 
Zwölfter Theil. Vom Jahre 1610-1630.
Entstehung
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256 Geschichte von Frankreich

Als Baßomplerre die Reden des Königes gehöret Hütte, so schloß er daraus,1Ü2I. daß der Connetable setuem Fall nahe wäre. Er hielte sich für verbunden , ihn davonzu benachrichtigen; und als er, einige Tage hernach, in dem Cabtnct des Herrn vonLüyneswar, so sagte er zu ihm, seine Freundschaft und Ergebenheit gegen ihn wäreallzugroß, als daß er ihm nicht vorstellen sollte, wie eö ihm dunkle, daß er nicht auf-merksam genug wäre, sich in der Gnade des Königes zu erhalten, beßen Einsicht undErkenntniß mit dem Alter zunähme; je mehr Wohlthaten und Ehrcnstcllen er von ihmerlanget hätte, desto eifriger sollte er sich bemühen, ihm seine Dankvarkeit dafür zubezeugen; und er bäte ihn aus das inständigste, dnse Sache ernstlich zu bedenken,weil sein Glück daran gelegen wäre. Der Connetable dankte ihm für seinen gutenRath und antwortete ihm hierauf, er kennere den Konig bis m cen mn> rsten Grundseines Herzens, „ und er wüßte die Mittel, durch die man sich in seiner Gnade erhal,,, halten müßte, eben so gut, als er diejenigen gewußt hätte, durch welche man die,,» selbe erlangen könnte, und er gäbe ihm manchmal mit Vorsatz einige kleine Ursachen,„ sich zu beschwehrcn, als welche nur dazu dieneten, die Gewogenheit, so er für ihn,» hätte, noch stärker zu machen.

Ich sahe alsdann wohl, fährt Baßompkerre fort, daß er von eben der Artwar, wie alle andere Günstlinge, weiche sich einbilden, daß ihr Glück ewig dauernwird, und welche ihren Fall nicht eher einsehen, als wenn ihnen kcm Mittel mehrübrig ist, ihn zu vermeiden.

Dieser Gedanke ist vielleicht so gar richtig nicht, als er scheinet. Wer weiserstlich, ob der Connetabie ausrichrig mit dem Baßompterre redere, da er sich rühmte,daß er die Gesinnungen des Königes aus dem Grunde kennete und die Drittel wüßte,sich beständig in dem nämlichen Grade der Gunst zu erhalten, wenn er auch gleich ei,ntge Veränderung tu dem Gemüthe seines Herrn wahrgenommen hätte? Folgte ernicht der ordentlichen Gewohnheit der Favoriten, welche nicht leiden können,daß die Hofleute die Verringerung ihres Ansehens merken, und welche fast allemaldie letzten find, die solche eingestehen ? Es scheinet inzwischen, daß der Counctableeinen ziemlich richtigen Begris von der wahren Gemüthsart Ludwigs XUl. hatte,als welcher, in der Folge, sich unaufhörlich über den Stolz und über tue Macht desCardmale von Richelieu beschwehrte, ohne daß er sich jemals entschließen konnte, nurein einiges Wort zu sagen, um dieselbe zu vernichten, oder auch nur zu verringern.Er würde sich vielleicht auf gleiche Weise in Ansehung des Connetabie bezeigt, undihm beständig die nämliche Gewalt gelaßen, sich aber nur das Vergnügen vorbehaltenhaben, wider ihn zu murren. Er sagte ihm eines Tags, um ihn zu kranken, daß sei,ne Gemahlin von dem Herzog von Chcvreuse geliebt würde, den sie auw in der That,ehe noch das erste Jahr ihres Wiklwenflandes zu Ende war, heyrarhere; und errühmte sich nachgehende gegen Baßompierre, Laß er sich dieses Mittels bedient hätte,um seinem Favoriten Verdruß zu machen. Baßompierre hatte die Hcrzhasngkeit,ihm zu antworten, er hätte sehr übel gethan, und es wäre eine schwehrc Sünde,wenn man Uneinigkeit zwischen Eheleuren ansiiftece. Der Konig aukwortere ihm:GOttwird mir es hoffentlich verzeihen; aber ich habe ein großes "Vergnügen ge,habt, mich an ihm zu rücken, und ihm diesen Verdruß anzuthun. Er fügte hin,zu, daß er, ehe noch sechs Monate vergrengen, ihn schon nöthigen wolre, alles,was er ikm genommen, wieder herzugeben. Man kann wohl nicht zweifeln, daßLudwig XUl. dieses gesagt habe; allein es fragt sich noch, ob er es auch gelha»hätte.

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