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72 Historisches Tagbuch
dom und nachher zu Meaux; sein Unterlehrmeister , Peter Daniel Huet, nachherBischof zu Soißons und sodann zu Avranches ; und sein Vorleser, der Abt vonCordemoi.
Die Stelle eines Lehrmeisters dieses Prinzen ward anfänglich dem Herrn Pi-earr von Perigni , Präsidenten bey der Kammer der bürgerlichen Rechtshändel in demParlemente zu Paris, gegeben : da aber derselbe im Jahr 1670. starb, so trug derKönig dem Herzoge von Montanster auf, jemand ausfindig zu machen, der hierzu tüch-tig wäre. Die Gelehrten meldeten sich haufenweise. Der Herzog von Montansterbrachte dem Könige eine Liste beynahe von hundert Personen, welche sich umdiese Stelle bewarben. Hierauf nennete er ihm auch etliche von denen, die solche nichtgesucht halten, und die er doch für geschickter hielte, als die andern, dieselbe zu be-kleiden : und nachdem er ihm ihre vorzüglichen Gaben und gute Eigenschasften zu er-kennen gegeben hatte, so machte er den Schluß, daß drey darunter wären, welche,seines ErachtenS, Verdiensten, in Betrachtung gezogen zu werden, nämlich HerrBoßuct, Herr Huet und Herr Menage; und es käme, fügte er hinzu, auf Se.Majestät an, den Ausspruch zu thun, welchem von diesen dreyen der Vorzug gebührrete. Der König blieb eine Zeit lang unentschloßen in Ansehung dieser Wahl. DerHerzog von Montanster zweifelte nicht, daß Herr Huet, den er dem Könige als ei-nen der größten Gelehrten in ganz Frankreich rühmete, den Vorzug vor Menage, vondem der Konig kaum noch etwas gehöret hatte, und auch vor Herrn Voßuet erhaltenwürde, welcher seine Lebenszeit mit Predigen und mit der Theologie zugebracht hatte.Allein er betrog sich. Die Predigten des Herrn Boßuek, welche der König offt inseiner Capelle angehört hatte, hatten ihm einen so hohen Begriff von seiner Geschick-lichkeit beygebracht und diesem Prälaten einen solchen Ruhm bey den Hofleuten erwor-ben, daß er zum Lehrmeister des Dauphins, und Herr Huet nur zum Unterlehrmeisterernennet ward Da Boßuet an dem Hofe bleiben mußte, so gab er sein Biß-thum Condom auf, und erhielt erst im Jahre 168 l. das zu Mcaup. Huet hatte dengeistlichen Stand noch nicht angenommen.
Die Erziehung des Dauphins gab Anlaß zu diesen Erklärungen der lateinischenSchrifftsteller, welche man noch heut zu Tage die Erklärungen zum Gebrauche desDauphins nennet. Der Druck dieser Ausgaben kostete dem Könige über zweymal-hunderttausend Livres. Herr Boßuet schrieb für den jungen Prinzen das vortreflicheBuch, welches den Titel führet: Dili-ours lur l'IMoire umverteile, und nochein anderes, unter dem Titel: kolicique rirüe äe l'Lerirure 5 a!me, welches erstnach dem Tode dieses Prälaten im Drucke herauskam. Man findet am Anfange dieses letzt,gedachten Werkes einen weitläuftlgen lateinischen Brief, welchen Herr Boßuet imJahe1679. an den Pabst Jnnocentius Xi. schrieb, und worinnen er ihm den Entwurf vor,legte, nach welchem er sich beyder Unterweisung seines durchlauchtigsten Lehrlings ge,richtet hatte. Dieser Entwurf begreift ungemcin vieles in sich; und wenn er in seinemganzen Umfange recht genau ausgeführet würde , so könnte man ganz gewiß einen dergrößten Gelehrten in der Welt dadurch bilden. Allein der Prinz hatte, ungeachtet al-ler Bemühung und Geschicklichkrit seiner Lehrer, keine sonderliche Lust zu denWißenschaff»ten. Der verstorbene Dauphin , schreibt die Frau von Maintenon in einem ihrerBriefe, wußte in dem Alter von fünf bis sechs Jahren eine Menge lateinischerWörter, aber nicht eines mehr, als er sein eigener Herr war.
ttuetü Lonuneum, As rehus »S ts xerlivwtrdus.