Band 
Funfzehnder Theil. Vom Jahre 1643. bis 1715.
Entstehung
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der Regierung Ludwigs xiv. 16r

Geld eben nicht im Überfluße ist , eine sehr beträchtliche Summe war. Die ordentli-chen Einkünfte waren dermaaßen verpfändet, daß der regierende König aufs höchstenicht mehr als zwey Millionen und viermalhunderttausend Livree zog. Dieser Monarchgerieth hierüber in ein solches Erstaunen und m eine solche Gemüthsbewegung, daß erdie Erklärung that: wenn er den schlechten Zustand seiner Finanzen eher gewußt hät-te, so würde er sich gewiß nicht entschloß«» haben, den Thron zu besteigen, da es ihmunmöglich wäre, den Glanz deßelben zu behaubtcn.

Christina reisete den folgenden Tag nach ihrer Abdankung von Upsal nach Stock-holm , wo sie sich fünf Tage lang aufhielt. Es gieng damals schon die Rede, daßsie gesonnen wäre, die katholische Religion anzunehmen ; und zur Widerlegung dersel-ben, empfieng sie in der Haubtkirche zu Stockholm, in Beyseyn des Volks, das hei-lige Abendmahl nach lutherischer Art.

Der König, der ihr feine Krone zu danken Hatte, zeigte noch iminerfort vieleEhrerbiethnng und Achtung gegen sie. Er widerruft« nicht eher, als nach ihrer Ab-reise , die »»bedachtsame Erklärung, welche sie dem portugiesischen Gesandten hatteeinhändigen laßen ; und ungeachtet der abscheulichen Unordnung, worinnen sie die Fi-nanzen gelaßen hatte, verehrte er ihr noch vor ihrer Abreise funzigtausend Thaler,nebst einem Diamant und einer großen Perle, die man auf acht und dreysigtausendThaler schätzte.

Ehe sie Schweden verließ, gab sie allen Weibspersonen, die iu ihrem Gefolgewaren, Abschied, indem sie nun künftig blos Mannspersonen in ihren Diensten habe«wollte. Sie kleidete sich selbst als eine Mannsperson: und als sie an eine«Bach kam , der die Gränzscheidung zwischen Schweden und Dänemark machte, sostieg sie aus der Caroße, sprang mit außerordentlicher Freude über den Bach hinüber,und sagte: Nun bin ich endlich in Freyheit und außer Schweden; ich hoffe,daß ich niemals dahin zurückkehren werde. Sie reisete hierauf durch Dänemarkund Holland, und kam von dar in die spanischen Niederlande, wo Pimente! sie erwartete.Sie hielt sich einige Zeit lang zu Brüßel auf, und wohnte bey einem portugiesischen Juden,mit Namen Texera , den man nur den reichen Juden nannte. Sie gab den Nieder-ländern , wahrend ihres Aufenthalts zu Brüßel, durch ihre Reden und durch ihr Be-zeigen große Aergerniß. Es kam sogar ein Brief öffentlich zum Vorscheine, dervon dieser Stadt aus datirt war, und worinnen sie auf das ärgste heruntergemachtward.

Der Kanzler Oxenstkern, welcher zu Ende des Monaths August krank wurde,starb nach fünfzehn Anfällen von einem drcytägigen Fieber, in einem sehr hohen Alter.Das ganze Reich bedauerte ihn , und vornehmlich der König , der ihn seinen Vaternannte, und bey dem sein Gutachten mehr kgalt, als bey der Königinn Christin«.Dieser große Minister redete noch kurz vor seinem Ende von ihr. Er fragte diejeni-gen , so bey ihm waren, was man von ihr höret«; und da sie ihm von ihre» ReisenNachricht gaben, so sagte er darauf: Ich habe «6 ihr prophezeit , daß sie ihreEntschließung bereuen würde: allein sie hat den Verstand verlohren. Hieraufholte er einen tiefen Seufzer, und fügte hinzu: Sie ist doch gleichwohl die Toch-ter Gustavs des Großen.

Nachdem Christin« sich einige Zeit lang st: den Niederlanden aufgehalten hatte,si> gieng sie nach Rom , welche Stadt sie zu ihrem beständigen Wohnplatze erwählet

hme.

Gesch. von Lrankr. XV. Theil, L

1689-