Band 
Funfzehnder Theil. Vom Jahre 1643. bis 1715.
Entstehung
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Historisches Tagbuch

Unternehmung des Herrn dü Gne - Trouin gegen Rio - Ianelro in Brasilien.!7H« Die Skadt Rio- Ianeiro, welche eine gute Befestigung hat/ ist langst der Baye diefts«evtemk-,- »nk Namens / zwisthen drey hohen Bergen gebauet / welche mit Schanzen und BatterienOktober, versehen sind. Einen halben Flintenschuß weit von der Stadt ist die Ziegeninsel/ wel-che sie zum Theil bedecket/ und die mir einer Schanze von vier Bollwerken verwahretist. Es sind noch verschiedene andere Schanzen und viele Batterien auf beyden .Seitender Baye angelegt/ welche einander kreutzwcis bestrcichen können. Der Eingang derBaye ist sehr lang und durch einen viel schmälern Einschnitt geschloßen / als der beyBrest ist. An allen Orten der Rhede / wo man eine Landung thun konnte/ hatten diePortugiesen geschanzt / Vcrhacke von Bäumen gemacht/ und Stücke aufgeführet. Siehatten zwölf bis dreyzehntausend Mann regulirter Truppen/ wovon einige in der Stadtund in den Schanzen lagen; die übrigen stunden nahe dabey in einem verschanzten La-ger. Der Gouverneur/ welcher schon vierzehn Tage vorher erfahren hatte/ daß manihn angreifen würde / hatte alle mögliche Anstalten zur Vertheidigung gemacht und warwohl auf seiner Hut. Der Hoch dü Gue- Trouin / deßen Flottte aus sieben Schif-fen von sechzig bis sicbenzig Canonen / aus sechs Fregatten von dreystg bis vierzig Ca-nonen / und einer Bombardicrgalidtte bestund / und zweytausend fünfhundert Soldaten„ Stpt. zur Landung aufhatte / langte um ein Uhr nach Mittag vor dem Eingänge der Baye an.

Der Ritter von Courserac / dem dieselbe bekannt war / segelte / auf Befehl des Herrndü Gue - Trouin / mit seinem Schiffe Magnanime voran. Der Ritter von Gouyonmit dem Brillant und der Herr von Beauve mit dem Achill / waren die nächsten nachihm. Der Herr dü Gue - Trouin folgte hinter dem Achill / wo er am bequemsten dienöthigen Zeichen geben konnte/ und befahl den andern Haubtlsuten / daß sie ihm / ei-ner nach dem andern / nach ihrem Range und nach der Größe ihrer Schiffe / nachsegcl»sollten. Der Ritter von Courserac war der Wegweiser/ und man fuhr in dieser Ord-nung durch den schmalen Einschnitt der Baye. Ungeachtet des unaufhörlichen Feuersvon den Schanzen und den andern Batterien drang man in den Haven ein / den dieFeinde mit einer erstaunlichen Artillerie und mit vier Kriegsschiffen von sechs und fünf-zig bis siebenzig Canonen / unter dem Commando des portugiesischen Admirals / Gaspacda Gosia / verwahret hatten. Man legte sich / um sechs Uhr des Abends / vor derStadt vor Anker/ und man mußte auch allda ein großes Feuer von den andern Schan-zen und den andern Batterien aushalten. Als die Haubrleuke der vier portugiesischenKriegsschiffe aus der Wendung unserer Segel urtheilten / daß man entern wollte / so.,z. liefen sie unter den Bakterien der Stadt an den Strand/ und verbrannten ihre Schiffe.

Den folgenden Tag verjagte der Herr von Golryon / mit fünfhundert auserlesenen Sol-14. baten / die Feinde aus der Ziegeninsel/ und bemeisterte sich derselben. Tags darauf lan,>" bete man mit zweytausend fünfhundert Soldaten und sechshundert bewaffneten Matro-

sen. Der Granadierhaubtmann / Herr von Aubervillc/ jagte einige portugiesische Trup-pen aus einem Gehölze / wo sie im Hinterhalt lagen. Man besetzte zwo Anhöhen undschlug vor der Stadt ein Lager auf. Man brachte/ mit Aufrichtung der Batterien so-wohl auf der Ziegeninsel/ als auf dem festen Lande / vier Tage zu / während welcherverschiedene Gefechte zwischen den bcyderseitigen Truppen vorfielen / in denen die unse-rigen allemal die Oberhand behielten. Nachdem die Batterien zu Stande gebrachtwaren / so ließ der Herr dü Gue - Trouin den Gouverneur auflodern. Er gab eine ab-schlägige Antwort/ und man ficng sodann an/ die Stadt zu beschieße»/ und man mach-»l. tc alle Zubereitungen zu einem Angriffe. Es war an dem / daß man solchen mit An->bruch des Tages vörnehmen wollte / als man erfuhr / daß die Feinde in der Nacht ent-flohen waren. Man kam in die Stadt/ und bemächtigte sich der Schanzen St. Seba.