106 Cap. XV. Von dem Zustand der Bevölkerung
■eine zufällige, keine nothwendige Folge. Denn wenn diese aufgeschossenenAvanturiers nicht nach England kämen , so würden sich Englands Einwohner•selbst ohne Zweifel desto besser vermehren, wofern nur mehrere Ehen daselbstgetroffen würden, wovon man hoffen könnte, dass sie fruchtbar wären, unddass die Eltern ihre Kinder gross ziehen könnten. Ich möchte daher die Ein-bringung erwachsener Leute in ein Land gewissermaßen der Einbringung der-Sclaven in unsre Colonien vergleichen, indem durch Beides der Arbeitspreisverringert wird, welcher Umstand hernach gewisse Classen der Landeskindervorn Heiraten abhält, weil sie nicht soviel verdienen können, als sie zur Er-nährung einer Familie bedürfen; begeben sich dergleichen Leute dem unge-achtet in den Ehstand, so vermehren sie, wie ich schon getagt habe, ihr Ge-schlecht auf keine reelle Art. Wenn nun künftig keine Schottländer und Ir-länder mehr nach England zögen, so würde der Arbeitslohn steigen5 alsdannwürden die, welche itzt keine Kinder ernähren können, hiezu im Stande seyn,und folglich die Engländer sich aus sich selbst , das ist, durch ihre eigeneZucht, vermehren. Bliebe aber der Arbeitslohn noch fernerhin so gering,dass er keine hinlängliche Aufmunterung zu einer großem Anzahl Ehen zwi-schen Englischen Landeskindern geben könnte: alsdann würde die ob er-wähnte zufällige Folge Statt finden, das ist, dieVolkanzahl würde abnehmen,wie unser Verfasser behauptet, und nach Proportion dieser Abnahme würdedie Ausfuhr des Korns zunehmen. Und wenn endlich die auswärtige Nach-frage nach Korn sich ebenfalls verringerte , so würde der Ackerbau leiden,und überhaupt schlechtere Zeit seyn. Doch hievon Mehreres an einem an-dern Orte.
Die Abbildung, die der Doctor vorn Zustande der Bevölkerung in die-sen Ländern giebt, ist eine von den Modificationen der von mir sogenanntenmoralischen Unfähigkeit eines Volks, seine Anzahl durch die Vermehrung zuverstärken. Eben so ist es in Africa, wo die Einwohner verkauft werden; ebenso ist es in der Schweiz, und in vielen gebirgichten Ländern, wo die Einwohneremigriren, um ihr Glück anderswo zu versuchen. Der Hauptstuhl der Nationbleibt auf dem nämlichen Fus, und jemehr Einwohner aus dem Lande ziehen,desto mehr wird allemal die Anzahl der Geburten die Anzahl der Sterbfälleübersteigen. Diese Proportion mag so hoch steigen, als sie wolle, so erfolgtdoch ein Zuwachs der Nationalbevölkerung keineswegs nothwendig aus
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