H4 XVI. Capitel. Warum einige Länder volkreicher
Guts mehr Korn tragen, als man vorher vielleicht aus dem ganzen Guteerndtete. Dieses Korn kaufen die Nachbarn des Pachters von ihrem Spinn-lohn; die Eltern theilen mit den Kindern ; diese haben ihr Brod, und spinnenebenfalls. Wenn nun dies alles geschehen ist, worin besteht die grosse Ver-änderung? Wie ! vormahls ernährte die Erde alle Einwohner so zu sagenmit ihren freiwilligen Producten ; und nun mehrere Arbeit angewandt wird,ihre Oberfläche umzukehren, so bezahlt sie solche Arbeit mit Korn, welchesdem starken Manne für feine saure Mühe zugehört; Weiber und Kinder habenkeinen unmittelbaren Anspruch auf das Korn zu machen, weil sie nichts zudesselben Anbau beigetragen haben, wie sie vormals thaten, als sie das Viehhüteten und fütterten. Allein, itzt spinnen sie, und verdienen also Geld, umdas zu kaufen, was sie hervorzusehaffen zu schwach sind ; folglich haben sieauch ihr Brod: aber da sie als Köthner unbrauchbar sind, so ziehen sie sichvon ihrem Geburtsorte weg, und sammeln sich in Dörfer. Wenn diese Ver-änderung zu Stande gekommen ist, so scheinen die Ländereyen weniger be-wohnt zu seyn; da trifft man öfters verfallene Hütten, auch wol solche Dörferan,- und da sind viele Leute sogleich mit dem Schlüsse fertig, das Land seyvon Einwohnern entblößt: aber so verhält sichs im Grunde keineswegs,wenn man alle Umstände zusammen nimmt.
Es ist demnach die Denkungsart der Vornehmsten eines Landes, wasdieBeschäfftigung der niedern Glasten bestimmet; und dieBeschäfftigungdieserletztem bestimmt ihre Nützlichkeit für den Staat, und ihre Brauchbarkeit zurVolksvermehrung. Je nützlicher sie sind, desto mehr erwerben sie, zufolgeder Erklärung des gesellschaftlichen Contraists. Je mehr sie erw erben, destoMehrere können sie ernähren; folglich w erden sie auch desto mehr heiraten,und ihren Kindern abgeben können. Diescs vermehrt eine nützliche Bevöl-kerung, und muntert zum Ackerbau auf. Nun vergleiche man die vorige Si-tuation mit der gegenwärtigen, in Ansehung der Anzahl und des bequemenund glücklichen Lebens der Einwohner 1
Ist es nicht klar, dass die Erde ohne Cultur nicht soviel Nahrung für denMenschen hervorbringen kann, als wenn sie sorgfältig angebaut wird? Undwenn nicht hiernächst dielndüstrie den Dürftigen dasjenige in die Hände spielt,wofür sie den Vermögendem die überflüssigen Nahrungsmittel abkaufen kön-nen, so wird kein Mensch die ersten beträchtlichen Unkosten anwenden wol-len,