126 XVIII. Capitel. Was find die Ursachen und Folgen davon,
gesehen, wie die Existenz des Ackerbaus vorn Fleiffe des Menschen abhängenmuss, das ist, lediglich davon, dass der Ackerbau eingeführt werde. Da nundieser Fleis vornemlich durch den Bewegungsgrund, unsern Kindern Brod zuschaffen, befördert wird: so hat man die Erzeugung der Kinder als die erste,oder wenigstens als die handgreiflichste politische Ursache, warum sich dieMenschen zur Arbeit bequemen, anzusehen, und folglich muss man sich dieselbeeher als den Ackerbau gedenken. Hingegen da auf der andern Seite die freiwil-ligen Erdproducten in geringer Quantität ausfallen, und von Menschen ganzunabhängig sind: so scheint es, daß die Natur sie ungefähr eben so verschaffe,wie man einem jungen Menschen eine kleine Geldsumme in die Hand gibt, umihn dadurch zumFleiffe aufzumuntern, daß er damit fein Glück mache; diekleine Summe bringt ihn nur auf die Bahn zum Glücke, aber durch Fleismuß er es erreichen. Aus dieser Erläuterung erhellet, daß, wenn die Nach-frage nach Lebensrnitteln geschwinder und leichter auswärts her, als von demLandesboden befriedigt werden kann, die Volkmenge, die ihr Daseyn nichtdem inländischen Ackerbau , sondern der Industrie zu danken hat, durch denVorrath ausländischer Lebensrnittel erhalten werde; und dieser Hausen Leutewird hinwiederum eine Ermunterung zum Ackerbau im Lande selbst veranlaßscn, indem beym Landmann ein Verlangen aufsteiget, dasjenige Aequivalentfür Lebensrnittel in feine Hände zu bekommen, das seine Landsleute itzt denFremden zuwenden.
Solche Nationen, deren Staatsmänner nicht die Geschicklichkeit besi-tzen, den Landmann dahin zu vermögen, daß er das Aequivalent zu bekom-men trachte, welches seine Mitbürger durch ihre Industrie sich verschaffenkönnen; oder mit andern Worten, Nationen, deren Staatsmänner zwi-schen ihren Unterthanen keine wechselseitigen Bedürfnisse und Abhänglichkei-ten veranstalten können, müssen sich in einer moralischen Unmöglichkeit be-finden, an Volkzahl zuzunehmen. Um solche Staaten bekümmern wir unsin diesem Capitel eben so wenig, als um diejenigen, bey denen eine physischeUnfähigkeit, sich stärker zu vermehren, vorausgesetzt wird. Unsre Absichtist nur, die natürlichen Folgen zu untersuchen, welche aus einer nach frem-den Ländern sich verbreitenden Nachfrage nach Lebensrnitteln entstehen. Einesolche Nachfrage halte ich für die Mutter der inländischen Industrie sowol,als der auswärtigen Handlung, welche zween Gegenstände ich im zweitenBuche abhandeln werde. Ein