IgO XIX. Capitel, Ob die Einführung der Maschinen
so grosser Vollkommenheit gebracht werden* (siehe les Interets de la Francemal-entendus, p. 272.313). Dem großen Montesquieu sind die vielen Wasesermühlen anstössig 5 doch finde ich nicht, dass er sich über die Einführungdes Pflugs beschwert hat.
Wenn man sich einander nur bester verstünde, so wäre es nicht mög-lich, daß verständige Leute über dergleichen Dinge mit einander stritten.Aber die Schriftsteller haben die üble Gewohnheit, daß sie die Umstände,die sie in Rücksicht nehmen oder voraussetzen, nur für sich im Sinne behal-ten, und sie selten deutlich ausdrücken: darüber werden die augenscheinlich-sten Wahrheiten dem Widerspruch unterworfen. ^
Es ist beinahe unmöglich, in der politischen Wirthschaft eines Staatsdie geringste Neuerung, wäre sie auch noch so klug ausgedacht, und nochso vortheilhaft, einzuführen, ohne dass dabey einige Schwierigkeiten vorfie-len. Ein Zimmer kann nicht mit dem Besen gereinigt werden, ohne etwasStaub zu erregen; man kann nicht auf der Gasse gehen, ohne die Schuhe un-rein zu machen: und so kann auch eine Maschine, welche die Arbeit des Men-schen verkürzet, nicht auf einmal bey einer weitläufigen Manufaktur einge-führt werden, ohne daß viele Leute müssig stehen müssen.
So oft ich eine in die Staatswirthschaft einschlagende Materie abhandle,so fetze ich allemal voraus, daß ein solcher Staatsmann am Ruder der Regie-rung sey, welcher jeden Theil derselben so systematisch zu lenken weis, daßer keine schnelle Veränderung der Sitten oder solche Neuerungen einführe,die, vermöge ihrer natürlichen und unmittelbaren Wirkungen oder Folgen,dem gemeinen Wesen zum Nachtheil gereichen können. Wenn ein Haus ineiner Stadt baufällig wird, so wird es niedergerissen; dies nenne ich ein syste-matisches Niederreißen, denn wenn man es so lang stehen liesse, bis es vonselbst übern Haufen fiele, so könnte mancher Schaden davon entstehen. Ebenso, wenn in den Manufakturen eines arbeitsamen Volks eine Menge Maschi-nen auf einmal eingeführt werden, (zufolge derjenigen Freiheit, die allen undjeden Arten der Verbesserung gestattet werden muß, soll änderst der Staat anWohlfahrt höher steigen) so ist die Pflicht des Staatsmanns, feine Vorsorgein Ansehung der Folgen dahin zu verwenden, daß er gegen die aus einerplötzlichen Veränderung entspringende Unbequemlichkeiten ein Hülfsmittelverschaffe. Es ist ferner seine Pflicht, selbst über die Art und Weise, wie die
Freiheit