über den Ackerbau und die Bevölkerung'. 145
7u seiner Grösse : eine Kriegsmacht zernichtete diese Grösse. Ein Geist derfreihest kann die edelste Anlage machen: ein Geist der Freiheit kann sie wie-der übern Haufen werfen. . Die dänischen Staaten schränkten die königlicheMacht ein, und setzten eine freye Regierung: eben dieselben Staaten belieb-ten , dass die königliche Macht ohne Schranken seyn soll, und führten diesouverainste Monarchie in der Christenheit ein. Doch diese Betrachtungengehören nicht für unsern Zweck; ne sutor ultra crepidam. Ich lenke wie-der um.
Wenn die Industrie einmal in Gang gebracht worden ist, so gibt sie deinAckerbau, in sofern selbiger als eine Handlung getrieben wird, viel Aufmun-terung; und durch die Reize eines gemächlichern Lebens, das ein reichli-cheres Surplus den Landleuten verschafft, gereicht sie derjenigen Gattung desAckerbaus, wornach dieser blos ein Subsistenzmittel vorstellt, zum Nachtheil.Die Felder werden durchgehend mehr bearbeitet, aber nicht so vollkommen.In einigen Ländern wird das Pflügen eingeführt, und der Landmann dazu auf-gemuntert ; dies ist ein mühsamer Ackerbau. So lang die Industrie im Zu-nehmen ist, und so lang ein Volk sich mit einer Nahrung begnügen kann, diehauptsächlich nur in Brod besteht, so lange wird es dieses System des Acker-baus beybehalten, und feine Volkzahl ziemlich hoch treiben. Wenn aberfein Reichtum grösser wird, und die Besitzer desselben anfangen, nach demBesitze einer grossem Quantität und Mannichfaitigkeit der Werke derlndüstricZu streben, als vorher, gleichwol aber keine grössere Quantität Lebensrnittel,als vorher, verzehren: alsdann, glaube ich, kann die Volkzahl abnehmen,vermöge der Gründe, die wir itzt erwägen wollen.
Ich komme nun wieder auf die Rathsverlammlung unsrer Insulaner zu-rück, wo die aufs Tapet gebrachte Proposition diese ist: Man muss auf Mittelund Wege denken, dass die Einwohner mehr Ueherfluss an Lebensrnitteln bekommen.
Hier tritt ein Machiavellist auf (denn solcher Leute gibt es einige injedem Lande), und schlägt vor, statt daß man, durch Einführung eines müh-samern Ackerbaus, die Einwohner vermehre, solle man, mittelst Verwandlungeiner Quantität Kornfelder in Grasland , die Anzahl der Einwohner vermin-dern. Ist nicht, lagt er, der einzige Zweck des Ackerbaus dieser, daß derStaat ernährt werde? Nun wird, durch unsce mühsame Methode des Pflü-gens und Säens, die eine Hälfte des ganzen Ertrags von denen verzehrt, die
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