148 XX. Capitel. Vermischte Anmerkungen
mich jedoch in meiner Meinung irren, denn der Kriegsgeist und der Geistder Industrie können bey gewissen besondern Nationen gar wohl beisammen-stehen; vielleicht wird die Zeit diese Sache aufklären. Genug von einerLand-militz! Nun auch ein Wort vorn Recrutiren regulairer Truppen.
Je mehr diese aus dem Lande selbst recrutirt werden, desto kleiner wirddie Zahl der Ausreisser seyn. Z. E. die anitzt (im Jahre 1758) versammlet?russische Armee weis fast von keinem Descrtiren; eben so verhält sichs mitdenjenigen Truppen des Hauses Oesterreich, die aus gewissen Provinzen ge-nommen sind, wo fast keine Industrie ist, wie auch mit der französischenLandmilitz, die ich als regulaire Truppen betrachte. Hingegen diejenigenKriegsheere, die in Ländern, wo die Industrie Wurzel geschlagen hat, er-richtet worden sind, bestehen grösstentheils aus lüderlichen Gesellen, ausdem Abschaum volkreicher Städte, aus Söhnen des Lasters und Müssiggangs,aus verlaufenen Leuten, oder die nirgend zu Hause gehören. Diese habensich wirklich zu Soldaten verhandelt, und treiben Commerz mit ihrer Person;wie viele tausend solche Menschen gibt es nicht anitzt! sie kommen in allenJahrszeiten zu Markte; der Meistbietende hat sie weg; es kommt darauf an,wie längste bey ihm aushalten. Einige Fürsten bleiben dabey, ihre eigenenDeserteurs niemals zurück zu nehmen: aber diejenigen sind bey ihnen will-kommen, die eben so treulos gegen andre Mächte gewesen sind. Andre be-gnügen sich, diejenigen zur Strafe zu ziehen, denen ihr Versieh, zu descrtiren,mislungen ist: hingegen nehmen sie diejenigen ungestraft wieder in ihre Dien-ste auf, die, nachdem sie die Desertion glücklich vollführet, sich freiwilligwieder einstellen. Alles ist itzt Commerz geworden, alles scheint nach denHandlungsprincipiis eingerichtet zu seyn. Ich komme wieder auf unsernAckerbau.
Sollten die Erläuterungen, die ich, bey Gelegenheit der dritten Frage,über einige Sätze mitgetheilt habe, nicht auch über die schon auf die Seitegesetzte erste Frage dieses Capitels, wo von der gleichen und ungleichen Ver-theilung des Ländereyeigentums die Rede war, ein besondres Licht verbrei-ten können?
Wenn einmal die Ländereyen gut angebaut und verbessert sind, so istnichts daran gelegen, wem das Eigentum derselben zugehöre; denn durch dasEigentum solcher Ländereyen kann ich nichts anders als das Surplus verslehn,
wie