I ^4- XX. Capitel. Vermischte Anmerkungen
auf Seiten der Regierung nicht die gehörige Vorsicht beobachtet wird: al-lein, dies ist eine Sache, die uns itzt nichts angeht. Ehe ich mich aber indie nähere Untersuchung unsrer Frage einlasse, muss ich meinen Lesern lagen,daß ich der Meinung bin, daß man jedem Oekonomiesyslem, welches noth-wendig die Verderbung der Sitten eines Volks nach sich zieht, alle möglicheHindernisse in Weg legen müsse, wenn es auch gleich weder der Bevölkerung,noch dem reichlichen Auskommen, besonders schädlich wäre.
Nun können wir aber, bey der Frage, die wir vor uns haben, leichteinsehen, dass der Misbrauch, den wir in den oben erwähnten Anstalten einerausserordentlichen Consumtion finden, seine Beziehung lediglich auf denCharakter der Consumirenden hat, keineswcges aber von den Wirkungen derConsumtion herzurühren scheint. Es ist kein Zweifel, daß die Laster derMenschen die Ursache seyn können, warum sie eine überflüssige Consumtionmachen: aber die Confiimtion, die sie machen, kann nicht wol die Ursacheihrer Laster seyn. Es ist möglich, daß diejenigen Personen in Frankreich,Welche die köstlichste Tafel, die reichsten Kleider, die glänzendste Equipage,die größte Anzahl entbehrlicher Pferde und Bedienten, die prächtigsten Pal-läste, die weitläuftigslen und schönsten Lustgärten haben, gerade dieallertu-gendhaftesten sind. Die größte Ausschweifung im Luxus, die man sich (indem Verstände, wie wir dieses Wort einmal angenommen haben) nur immergedenken kan, läßt sich, so lang sie auf keinen andern Gegenstand, als aufdie Consumtion der Werke der Arbeit und Industrie der Menschen gerichtetist, ebensowol mit der Tugend, als mit dem Laster zusammenreimen. Nach-dem ich dieses voraus erinnert habe, wende ich mich nun zur Hauptsache.
Frankreich ist, was die Verbesserung seiner Ländereyen betrifft, gegen-wärtig noch in seiner Kindheit, ungeachtet es schon seit einem Jahrhundert dieLandwissenschast bis zur Bewunderung der Welt getrieben hat. Ich braucheden Beweis von dem, was ich hier behaupte, nicht weit herzuholen. GroßeStrecken Felder liegen daselbst noch immer unangebaut, und Millionen Ein-wohner sind müffig. Wenn aber alles angebaut seyn wird, wenn alle Einwoh-ner ihre Besehässtigung finden werden, dann wird Frankreich, was die mora-lische Möglichkeit der Verbesserung seines Bodens betrifft, in einem Zustandder Vollkommenheit seyn. Die Leute sind frey, man weis von keiner Scla-vereyj, und jeder hat nur für seine Nahrung und für die Erziehung seiner Kin-der