Einleitung. ig t
Triebe man das Principium des Patriotismus noch weiter, und würdeein Volk ganz interessirt, so könnte es unmöglich regiert werden. Da würdefast ein jeder ,das Interesse feines Vaterlands aus einem andern Gesichtspunctebetrachten, und Viele würden, indem sie den Nutzen desselben zu befördernsich bemühen, gemeinschaftlich an seinem Verderben arbeiten. Wenn einreicher Kaufmann anfienge , seine Waaren ohne Profit zu verkaufen, waswürde aus der Handlung werden? Wenn ein andrer einer Anzahl Handwerks-leute die außerordentlichen Kosten , die sie in einem schlechten Jahre auf-wenden müssen, vergütete, um sie in Stand zu setzen, ihr Handwerk fortzu-treiben, ohne den Arbeitslohn zu erhöhen, , wie würde es um die andern stehn,die sich jener Vortheile nicht zu erfreuen haben ? Wenn ein Mann, dergrosse] Ländereyen eigentümlich besitzt, in einem theuren Jahre seine Ein-künfte an Korn zu einem niedrigen Preise losschlagen wollte, wie würde esum die armen Pächter aussehen ? Und wenn Privatpersonen alle Bettler ernäh-ren wollten, wo würde die Industrie bleiben ? Solche patriotische Operatio-nen müssen dem Publico überlassen werden; alles, was man dißfalls von In-dividuis fodern kann, besteht darin, dass sie dergleichen öffentliche Anstaltennicht hintertreiben.
So verhält sich die Sache ordentlicherweise, und in keinem andern Lichtebetrachte ich sie hier.
Bey schlecht-verwalteten Regierungen bewundre ich so sehr, als irgendjemand, jede patriotische Handlung, jede uneigennützige Gesinnung, undniemand kann mit einer grösseren Hochachtung, als ich, für alle diejenigeneingenommen seyn, die sich durch dergleichen Thaten merkwürdig gemachthaben.
Jeweniger aufmerksam eine Regierung in Beobachtung ihrer Pflicht ist,desto nöthiger ist es, daß jedes Individuum mit dem patriotischen Geiste be-lebet werde, der alsdann sogar da ermattet ist, wo er sich mit der größtenMunterkeit äußern sollte. Hingegen jemehr sich der Patriotismus bey Ver-waltung der öffentlichen Geschaffte thätig erweiset, destoweniger bedarf dqjrStaat des Beistands einzelner Personen.
Gleichwie ich nun von meinem Staatsmanne voraussetze, daß er, auchin den allerkleinstenDingen, seiner Schuldigkeit nachlebe: so nehme ich auchan, dass jeder von seinen Unterthanen den Trieben seinesPrivatnutzens folge.
Z 3 Alles,