z 62 XXIV. Cap. Von der dienlichsten Methode,
Bey jeder Handlung sind in Ansehung der verkauften Waare zwey Dingezu betrachten: erstlich, die Materie an sich selbst; hernach, die Arbeit, welcheangewandt worden ist, diese Materie brauchbar zu machen.
Wenn der Werth der ins Land eingebrachten rohen Materien größerist, als der Werth der aus dem Lande geführten Waaren, so gewinnt dasLand: wenn aber die eingeführten verarbeiteten Producte von größerm Wer-the sind, als die ausgeführten, so verliert das Land. Warum? Weil, imerstem Falle, die Fremden das Surplus der exportirten verarbeiteten Productemit rohen Produkten müssen bezahlet haben; und weil, im zweiten Falle, dasLand den Ueberichuß der eingebrachten verarbeiteten Producte mit rohenProdu&en bezahlen muß.
Es ist also dieses eine Generalregel: Man muss die EinfuhrverarbeiteterMaterialien hindern und beschwerlich machen, ihre Ausfuhr aber begünsti-gen und erleichtern.
Wenn Waaren, die sonst im Lande selbst fabricirt wurden, anfangenaus der Fremde hereingebracht zu werden: so ist es ein Kennzeichen, entwe-der daß der Preis solcher Waaren im Lande selbst zu steigen anfängt, oderdaß die Fremden es feit kurzem in dergleichen Manufacturen weiter gebrachthaben. Hingegen wenn die Einfuhr von Manufacturwaaren, die im Landeconsumirt werden, sich zu verringern anfängt, und die Kaufleute auf solcheHandlungszweige Verlust zu leiden beginnen: so ist es ein Beweis, daß dieeinheimische Industrie, w as diese Artikel betrifft, ansehnliche Progreffen ge-macht hat. Der Staatsmann muß sich diesen Umstand zum Wink dienenlasten, daß er nunmehr anfangen müsse, die Einfuhr solcher Waaren mit gu-ter Manier beschwerlich zu machen, nicht aber sie auf einmal zu stopfen; weilletzteres die Wirkung haben könnte, daß der Profit auf die einheimische Ver-arbeitung derselben gar zu gros würde.
Man muß alle plötzliche Veränderungen zu vermeiden suchen. Wirdeine starke Einfuhr auf einmal gestopft, so steigen die Preise der einheimi-schen Arbeit gleichsam stosweise, nicht stuffenweise, wie sie sollten; und die-ses schnelle Steigen des Profits reizt gar zu viele Leute zu dem Bestreben an,gleichfalls einen Theil von diesem Profit für sich zu erlangen; und dann be-kümmern sie sich nicht mehr um andre Zweige der Industrie, die für den Staateben so vortheilhaft wären. Solche Revolutionen richten großen Schaden
an,