394 XXVL Cap. Wie sich die BalanZ des Reichtums
die Kunst besitzen, die grössten Glücksgüter in einer wunderbaren Geschwin-digkeit durchzuringen; das heißt, nach unster Sprache, selbige, mittelstsymbolischen Geldes, durch Obligationen, Hypotheken, ausgestellte Wech-sel für empfangene Waaren, u. d.g. in Circulation zu bringen. Wird aberwol diese Art der Circulation den Reichtum eines Staats vergrößern? Fürwahreben so wenig, als Frankreichs oder Englands Reichtum sich vermehren wür-de, wenn man daselbst alles Silbergeschirr nach der Münzstätte schickte, umGeld daraus zu prägen. Die symbolische Münze dient zu weiter nichts, alsdiejenigen, welche Effecten haben, die, ihrer Natur nach, nicht circulirenkönnen, (und die,' daß ichs im Vorbeigehen sage, die Hauptursache der Un-gleichheit sind) in Stand zu setzen, dass sie für die Dienste, die sie verlangen,ein dem vollen Werthe derselben angemessenes circulirendes Aequivalentgeben können. Mit andern Worten, die symbolische Mijnze ist eine Metho-de, welche selbst die Ursachen der Ungleichheit, so zu reden, flüssig macht,und in den Vermögensumständen eine Gleichheit zuwegebringt.
Es sollten daher die Verfechter agrarischer Gesetze und einer allgemei-nen Gleichheit, statt über den Luxus und überflüssigen Aufwand zu schreyen,vielmehr auf Mittel sinnen, ihn noch allgemeiner zu machen. Tadeln sie diesogenannten perpetuirlichen Substitutionen des Eigentums, (welche von El-tern zum Besten ihrer noch ungebornen Nachkommenschaft gemacht werden)weil solche Verfügungen gewissermaßen der Industrie nachteilig sind: somüßten sie, dünkt mich, die liebenswürdige Zerstreuung der Güter, gegenwelche der ganze Zweck der Substitutionen einzig abzielt, mit ihrem Tadelverschonen, weil sie die Nährerin der Industrie ist.
Einige meynen, eine Gleichheit in den Vermögensumständen würdeden Luxus und überflüssigen Aufwand verbannen. Ich will unter diesen nurden Herrn von Montesquieu nennen, einen Schriftsteller, den ich sehr hoch-schätze, und dem es viele andre nachgesprochen haben. Ich finde aber, dasser feine Ideen hierüber gar nicht deutlich auseinandergesetzt hat. Freilichwürde eine Gleichheit in den Glücksumständen die Natur des Luxus ändern jsie würde bey einigen die Consumtion vermindern, und bey andern vermeh-ren: aber der Industrie selbst würde sie nie ein Ende machen können, ohnezugleich die Leute miissig zu machen; so lang aber die Industrie in einemgleichen Grad fortdauert, so muß ordentlicherweise die nämliche Quantität
Waaren,