4.78 XXX. Cap. Vermischte Fragen und Anmerkungen
Wenn ein Staatsmann gewisse'Individua in der Dürftigkeit sieht, somuß er sie entweder ernähren, in welchem Fall er sie so , wie er es gut fin-det, beschäfftigen mag : oder er muß ihnen ein Stück Feld geben, als einMittel, wodurch sie sich leibst nähren können. Giebt er ihnen Land , sokann er kein Acquivalent dafür verlangen, weil ein Mensch, der Nichts hat,nichts anders als feine Arbeit geben kann ; und wenn er verbunden ist, fürseine Nahrung zu arbeiten, so kann er nicht mit Arbeit die Erde selbst kau-fen, die der Gegenstand der Arbeit ist. Fragt man , ob ein Staatsmann besserthue, wenn er Brod giebt, als wenn er Land giebt ? so dünkt mich, es seyaugenscheinlich, daß Ersteres besser gethan sey, weil er alsdann ein Acquiva-lent fodern kann; und da der Dürftige auf die eine oder andre Art genährtseyn muss, so ist das Product seiner Arbeit allemal klarer Gewinn. Um aberBrod zu geben, muß man es zu geben haben , und selbiges muß entwederein überschüssiges Product von öffentlichen Ländereyen , oder eine Contri-bution vorn Volke seyn. Beide Fälle setzen eine Arbeit voraus, welche überdie persönlichen Bedürfnisse derer, die das Land bauen, hinausgeht. Wenndieser Fonds angewendet wird, denen Brod zu geben, die der Staatsmann inBeschäfftigung setzt, den Boden des Landes überhaupt zu verbessern: so wirddieses keine unmittelbare Wirkung haben, die Simplicität ihrer Sitten zu ver-treiben , sondern blos der Fonds ihres Unterhalts wird dadurch erweitertwerden. Gebraucht sie der Staatsmann zur Arbeit an den Landstraßen, Was-serleitungen , gemeinen Abflüssen, Brücken u. d. g. so wird, solches die Ge-meinschaft zwischen den verschiedenen Plätzen des Landes erhalten, und dasStadtleben bequemer und angenehmer machen; und diese Veränderungenzwecken offenbar auf die Verbannung der Simplicität ab. Man merke aberbey dieser Gelegenheit, daß die Industrie einzelner Personen keinen Schadenleidet, wenn die Industrie auf Kosten des Publici betrieben wird. Die über-flüssigen Nahrungsmittel, worüber der Staatsmann zu difponiren hat, wer-den Leuten gegeben, die in der Noth stecken , und die bcschäfftigt werden,den Bedürfnissen des Publici, nicht der Privatpersonen , abzuhelfen. Wenn nunaber, wegen der angelegten Heerstraßen, ein Einwohner Lust bekommenwird, lieber im Wagen zu fahren, aß zu reiten oder zu Fuße zu gehen, somuß er jemand bestellen , der ihm die Maschine mache. Dieses erweitertschon die Beschäfftigung auf Seiten der Arbeiter: aber die Folge dieser Be-schaffn-