4-8 2 XXX. Cap. Vermischte Fragen und Anmerkungen
Wenn ich also alle diese Umstände zusammennehme, und sie mit demContrast vergleiche, der zu unsrer Zeit in allen Stücken gegen jene absticht:so lässt man, meines Bedenkens, nur den Neuern Gerechtigkeit widerfahren,wenn man zugiebt, dass der ausgebreitete Luxus, welcher täglich bey allenClassen des Volks überhand nimmt, vielmehr der aufgehobenen Sclaverey, dergleichmässigen Vertheilung der Reichthümer, und der Circulation eines an-gemessenen Aequivalents für jeden Dienst, zuzuschreiben sey, als dass mansagen könnte, die Verderbnis der Sitten sey bey uns grösser als bey den Alten.
Um der Industrie eine eigentliche Richtung auf den Öffentlichen Nutzenzu geben, muss das Aequivalent dafür in den Händen des Publici, nicht abereinzelner Personen stehen. Muss nicht die Beschäfftigung dem Geschmackedessen angemessen seyn, der sie kauft? Nun wurden in den alten Zeiten diemehresten öffentlichen Werke entweder durch Sclaven verrichtet, oder fürden Preis des blos physisoh-Benöthigten freyer Leute. Eine Pyramide, de-ren Herodotus erwähnt, kostete gerade soviel aufzuführen, als die QuantitätRüben, Zwiebeln und Knoblauch kostete, welche die, so daran bauten, ver-zehrten. Ich stelle mir vor, dass die Arbeiter am via Appia eben so arm ge-wesen find, als dieser Weg fertig war, wie sie gewesen waren , da sie denAnfang daran machten; und so muss es allemal gehen, wenn die Arbeit keinebesondere Geschicklichkeit auf Seiten des Arbeiters erfodert. Wenn manhingegen findet, dass die Arbeiter einen grossen Lohn erworben haben, als-dann müssen die Folgen eben so gewesen seyn, wie in unsern Tagen.
So lange demnach die Indüstrie nicht auf solche Gegenstände gerichtetist, die eine besondre Geschicklichkeit erfodern , welche, nach den im21 stell Capitel dargelegten Grundsätzen, den Profit über das physiseh-Benö-thigte erhöhen, so können die Indüstriösen niemals reich werden; und wennsie ihre Bezahlung in Geld erhalten , so muss dieses Geld in die Hände der-jenigen zurückkehren, welche sie ernähren; und wenn nirgend kein Ueber-fluß gefunden wird, ausser in den Händen des Staats, so mag zwar eine solcheIndüstrie ein Surplus von Lebensrnitteln consumiren, aber nie wird sie einenPfenning in Circulation bringen. Dieses halte ich für eine richtige Anwen-dung unsrer Grundsätze auf den Zustand der Indüstrie unter der römischenRepublik, und aus diejenige Gattung der Indüstrie, welche wir Arbeit (labour)nennen. Wir dürfen daher den damaligen Geschmack an Beschäfftigung
nicht