II. Cap. Von dem Anfang uud Fortgang des £jV. 363
römische Kaiferthum entstund. Da wurden alle Schätze der Welt geplündert,und die Völker zu Sclaven gemacht. Bey dieser Veränderung wurden die Be-dürfnisse dieses grossen Reichs durch die jährlichen von den überwundnen Völ-kern bezahlten Schätzungen ersetzet. Unter einer guten Regierung fülletediese jährliche Unterstützung den öffentlichen Schatz an, bis ein verschwen-derischer Kaiser ihn durchbrachte, und durch Raub und Erpressung das Deerewieder anfüllete.
Nach der gänzlichen Aufhebung dieses grossen Reichs ward Europa vonbarbarischen Völkern überschwemmet, die ihre Gewalt durch die Kriegsdien-ste des ganzen Volks, bey so weniger Industrie, wie jemals, unterstützten.
Nach Errichtung der lehnbaren Königreiche unter ihren Häuptern, diedazu den ersten Grund legten, entstunden die Barons, oder vornehmsten Va-sallen, die, zur Nachahmung ihres Oberhaupts, kleine Herrschaften anleg-ten, die stuffenweise unabhänglich wurden.
Aus dieser Vertheilung der Macht in viele Hände folgte eine Zerrüttungaller systematischen Regierungsplane. Die Fürsten waren verbunden, nachder beständigen Bewegung der Umstände ihre Handlungen einzurichten, bisdurch eine ihnen günstige Revolution die Macht der Vasallen verschlungenund in die Schranken einer regelmässigem Oberherrschaft eingeschlossen wurde.
Nach Maasgabe, als diese Veränderung bei den Europäischen Völker-schaften vor sich gieng, nahm das Regierungslystem eine dauerhaftere Gestaltan. Die Gerechtigkeit ward mit mehrerer Gleichförmigkeit gehandhabet,und daraus entstund eine Sammlung von Gesetzen, die in einigen Ländern,Gebräuche5 in andern, wie in England, das gemeine Gesetz, (common law)genannt wurden. Da wurden die Kriege seltener 3 und da die Kriegsdienstenicht bey aller Gelegenheit nöthig waren, so wurden sie unvermerkt in Aufla-gen verwandelt, die den Erforderungen der Zeit angemessen waren.
Während dieser Zeit waren die Münzen und edlen Metalle grösstentheilsin Privatcassen aufgehoben. Wenn der Krieg sie eine kurze Zeit hervorzog,fanden sie bald ihren Weg wieder zurück. Die Fürsten waren gemeiniglichausschweifend, und verthaten das Geld, sobald sie es empsiengen. Nach demVerhältnisse, als der Fleiss und die Veränderung zunahmen, kam das Geld her-vor; die Einwohner kamen in bequeme Umstände; der Staat blühete undward berühmt. Da fleug man an, die Reichthümer und die Macht eines Staats,
so