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Allgemeines Lexicon der Künste und Wissenschaften : oder kurtze Beschreibung des Reichs der Natur, der Himmel und himmlischen Körper, der Lufft, der Erden, samt denen bekannten Gewächsen, der Thiere, Steine und Ertze, des Meeres und der darinn lebenden Geschöpffe : ingleichen aller menschlichen Handlungen, Staats-, Rechts-, Kriegs-, Policey-, Hausshaltungs- und Gelehrten Geschäffte, Handthierungen und Gewerbe, samt der Erklärung der darinn vorkommenden Kunst-Wörter und Redens-Arten ... / in gehöriger Ordnung verfasset und mit Fleiss zusammen getragen von einem Mitglied der königl. preuss. Societät der Wissenschaften [=Johann Theodor Jablonski]
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§o artz

cinifthc Acadcmicn zu Londe», Xlompeillor, und in Italienan verschiedenen orten. Anfänglich bestund dicsc.be auszweyen theilen, deren das eine I)ia:ca den innerlichen, dasandere (Lirurgir, den äusierlichen gebrechen zu rathen be-stimmet war. Nunmehr begreifst sie die -lnmomlL, oderkunst der zcrleguug des ineuschlichcn corpcrs, und erforschungaller dessen theile: die 1 -mllolocha, oder erkänntniß aller in-nerlichen zufalle, wodurch die Gesundheit angegriffen wird:die Nkerapcutics, oder crkänutniß aller derer dinge, die zuerhalt-unowiederbringung der gesundheit dienen: die Lll)--nuL oder aufschliessung der natürlichen cvrper durch dasfeuer: die Zonnlca, oder erkanntniß der krautcr und dererlugenden: und endlich die Llürurßw, oder Heilung äusserii-chcr schaden. Anfänglich begnügte man steh, die artzeney-rnittci aus dem reich der gewachst zu holen, und aus krauten«und pflantzen zu bereiten, bis man mit der zeit nicht nur anden thiercu viel heilsames kennen, sondern auch die uuterirr-di sehe corper aufsckiicsicn gcleruet. Anfänglich war der ärtz-te Verrichtung nicht nur die artzney-Aiittel zu rerorducn,sondern auch zu bereiten, und den kranckcn beyzubringen,so, daß sie auch zu aderlässen und kliftiercn die Handselbst anlegten, der äusserlichcn Verbindungen nicht zugedcneken. Heut zu rage werden die apothcckcr-und Heil-kunst unter die handlangeriunen und dicncr der artzcncvgezehlet. Wie vortrefflich diese wissenschafft uns wie höchst-dthig und nutzbar sie täglich empfunden wird,so hat doch dervielfältige mißbrauch derselben veranlasset, zu fragen, ob siedem gemeinen wcstn nütz und nöthig, oder schädlich sey. Ge-wiß ist, daß solchem mißbrauch vorzukommen in woibesrclltcnrcgimcnten heilsame ordnungen gemacht, und unterhaltenwerden, nach welchen die srtzcney oder einige stücke derselbenzu üben niemand als solchen, die dazu obrigkeitliche erlaub-uiß haben, verstattet, und einem jeden, wie weit er in seinerhandthicrung gehen möge, gewisses maaß gcsttzet wird. Alsowerde» Lmplrlci, die ohne nöthige wissenschafft, blos ausder erfahrung zu achten sich unterfangen; Nlaockrschccvec,die sich solcher mitte!, die für alles gut sind, rühmen; Vrv-mamc' 8 , die aus dem blossen besetzen des waffers die cur an-stellen; Laboranten, deren gantzc kirnst in kohrcnblastn be-stellet ; weider, die nicht bestellte heb - ammen, entwe-der gar nicht, oder nur zu gewissen zeiten und mit ge-wissen bedingen zugelassen, denen apothcckmi aber undwund-ärtztcn,wo cin ordentlicher Xleälcus vorhanden, vorsich artzneyen zu verordnen, und auszugeben verboten. LbJuden die artzeney zu treiben erlaubt, wird gestritten, undhat die bejahende Meinung den meisten bcyfall, wie auch diefache selbst hie und da bezeuget. Hingegen werden bewährterckellici in sonderbaren ehre» und ansehe» gehalten, und ihremühe mit stattlichen besoldmigcn oder reichen belohnungenbillig crkannt.Dergleichcn vor andern des Pabsts klo.i«ril V.und des FrantzösisKönigs Imäo viel XI. leib- ärtzte genossen,derer jener täg.ich ioc> dueaten, dieser monatlich 10000Zrantzösischc pfund, ohne die grossen neben-geschencke gezo-gen. Es ist aber wie vor zeiten, also auch jetzo nicht einerleyweise dieser kunst behalte« worden, daher die liebhaber der-selben sich in verschiedene rotten zertheilet. Die vornehm-sten sind die sccteii der Lalenicoreim und Lk)-micorum. Je-ne b.eibcnmcistentheils bey den kräutem, daraus sie ihre ar-geiieynnittelauf eine schlechte art bereiten. Diese suchendurch das feuer das innere wrftn der eörpcr aus den drey rei-chen, V LAersbili, /tniinali, blinoroli, aus kräutern,thieren,ja steinen und metallen auszuziehen, in mancherley formeneines wasscrs,jältzcs, geistes, 8 ls, u. d.g. zu bringen, und inder artzeney anzuwenden. Jene habe» vor sich das «Iter-

thum, und daß ihre Mittel nicht so gefährlich zu gebrauchen,dagegen ihnen ciugcwvrffcii wird, daß sie langsam in der wir-ckung, und beschwerlich ober widerlich zu gebrauchen. Diesepreisen ihre Mittel, wWen der geschwinden und kräfftigcnwirckung, und mchrcrn bcgiiemligkeit im gebrauch, dabcnc-bcn aber nicht zu leugnen, daß sie mit mchrcr gefahr begleitetsind. Denn was ein und ander wider sie behaupte» wollen,daß ans denen unterirdischen cörpern nichts heilsames zubringen sey, solches wird durch die sclbsiredcnde erfahrungwiderlegt. In unsern zeiten scheinet die erste ziemlich gefal-len zu seyn, und daß die letzte den Verzug allein behalten wol-le, wicwol jene in Franekreich und Spanien vornemlich nochim schwänge bleibt. Don den manche« ien sotten der kckelll-cncum und ihren unterschiedenen Meinungen ist zu lesen/oL Lo«,'. in kgiikaria XZcllicinT. Etwas be-

sonderes hat die tkcimLrischc Medicin, welche ll'lleoxllra-tkus ? 3 racoiteis wieder auferwcckt, indein sie die Lntiamor-llorum, das wesen der kranckheiten auscine eigene weise un-tersucht,uud behauptet,daß etliche derselben entstehe» ex Hu-re lllsrurall, das ist,aus denen sechs unvermeidlichen dingen,vhnc welche der mensch nicht leben kan, ncmlich lufft, speistund tranck, ruh und bcwcgung, Überladung und ausleerungdes lcibs, schlafen und wachen, siarcken erregungcn der sinnenund des gcmüths: andere ab eure aus dem cinfluß

und wirckung der gestirne: andere all eure Vt,nonalj> ausdenen schädlichen und unreinen theilen,so in speise und tranckverborgen, und ein Varrarci 8 gcncnnct werden: andere allenre?2A»).-io » durch die in dcni willen und gemüth des men-schen erregte geister; andere all cnrc Doali, durch soudcrba-re fthickükig Gottes, wie solches iu seinem Dr.

cie tunciamenco a-recnL, weirlavsstig lehret.

Besonders hateo izcioä ckivlrwm Lurlck-z>crnacurL!cc.-ikiiiiiiorllis,und/o^.k/a)-»- voll astraiiftheitund tartarischcn kranckheiten geschrieben. Sie hat auch ei-ne besondere weift die krässte dcrgewächft zu erkennen und zubeurtheilen nach ihrer gestalt und stgnatur, und nach denhimmlischen cinssüffen, aus denen Planeten oder zeichen desthier-kreiscs, denen sie untenrorffcn, wovon absonderlichIoh.poppcns, Adam von Bc-densteins, und Barth.Lavvichtcvs krauter-bücher zu sehen. Vor eine besonderegattilng der artzcney-kunst mag auch gerechnet werden dieje-nige, die mit solchen Mitteln umgehet, welche durch verbor-gene krafft ihre wirckung thun, daher sie überhaupt magischgcnemiet werden, und worüber, ob sie durchgehends zuläßigsind, viel ftagens ist. Hierzu gehören die stzumlera, oderdinge, die an den hals gehenckt, oder sonst am leibe getragenwerden, schädliche zufalle dadurch abzuwenden. Ferner diemagnetische euren, durch sympathie - Pulver, waffen - salben,ciilspündmig in gewisse bäume, vergrabung an gewissen orten,oder wcgwcrffmig in gewisse wasscr solcher dinge, die von deskrancken leibe kommen, wodurch auch an abwesenden und indie ferne wunden geheiier, und kranckheiten vertrieben wer-den sollen. Endlich die eigentliche zaubcr-curen durch frem-de zeichen, wvrt-und ftgcn-sprechcu, oder andere verdächtigeund abergläubische Handlungen. Bey denen von der erstenund zweyten gattung wurde zu crwegen seyn, ob ein wahr-scheinlicher gründ einer natürlichen wirckung, und Verbin-dung des vorhergehenden mit dem nachfolgenden obhanden,wennschon die eigLirfthafft derselbe» in den Heimlichkeitendernatur so tieffverborgen läge, daß sie nicht deutlich genugeingesehen werden könte, wie solches von vielenvon dem sympathie-pulver, und anderen mehr von gelehrte»m umern ausgeführt worden. Auf solchen fall wäre dersel-ben gebrauch vor strafftich und mizulaßig nicht zu achten, wie