Luther war schon seit einiger Zeit auf der unlängstgestifteten Universität Wittenberg öffentlicher Lehrerder Weltweisheit und Gottesgelahrtheit, und standdiesem Amte auf eine ausnehmende würdige Weisevor. Sein Charakter, den er bekleidete, gab ihmalso Gelegenheit, seinen Unwillen über diesen schänd-lichen Gewerb öffentlich zu äußern. Seine Kennt-niße in der scholastischen Philosophie und Theologie,seine Schrift-Kunde * und seine Beredsamkeit seztenihn in den Stand, es mit Geschiklichkeit und Gründ-lichkeit zu thun, und sein Ansehen in Wittenberg gabseinen Worten Gewicht und Nachdruk.
Als demnach Tezel in der Gegend von Witten-berg Ablaß zu predigen anfieng, eiferte er von derKanzel in der großen Kirche zu Wittenberg auf dasbitterste gegen die Irrlehren und Laster der Ablaßpre-diger , und da die deutliche, männliche und überzeu-gende Beredsamkeit, mit der er die Lehre des Evange-liums von der Vergebung der Sünden im Gegensazmit der Lehre der Ablaßkrämer vortrug, bey dem Vol-ke Eindruk machte, so schrieb er an .jenen Fürstenund Erzbischoffen, einen Brief, worinn er ihm überdie falschen Lehren und das ruchlose Leben der Ablaß-prediger die lebhaftesten Vorstellungen machte; er be-kam aber keine Antwort»
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* Cr hatte sich diese Schriftkunde aus einem in demBüchervorrath seines Klosters unter dem Staub ver-geßnen, und von ihm gefundnen Exemplar derBibel erworben.