Band 
Erster Theil.
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vi. Simon

Herr Simon, der dafür gehalten, eine solche Mate-rie sey so vieler Anmuth fähig, als geschickt sie zum Unter-richte ist, wahlete sich dieselbe im 1709 Jahre, und handel-te verschiedene male davon. Allein, da er erwog, daß vondiesen verschiedenen Zeitpuncten der römischen Höflichkeit,der erste seinem Nachforschen zu wenig Stoff darbiethen,und der dritte wenig Würdiges zu haben scheinen würde; sohielt er sich an den andern, als denjenigen, der der wahrenHöflichkeit unfehlbar am günstigsten ist. Um nun ordent-lich zu verfahren, so beschreibt er gleich anfangs die gewöhn-lichen Merkmale der Ehrfurcht und Unterwürfigkeit der Nie-dern gegen die Oberen. Hieraufnimmt er die Bezeugungender Freundlichkeit und Herunterlaffung der Obern gegen dieNiedern; und endlich die Gesetze der Artigkeit und des Wohl-standes , die man gegen seines gleichen beobachtete. Allediese Puncte berühren wir hier nur so obenhin, weil sie zumTheile schon sehr umständlich in denen dreyen Abhandlun-gen von dein häuslichen Eeden der Römer vorkommen,die in dem ersten Bande der Nachrichten dieser Akademiestehen.

Die Großen, welche zur Zeit der Stiftung'Romsnicht anders von den Geringern unterschieden gewesen, alsdaß sie deren Beschützer waren, und dieselben auch nicht an-ders, als durch das Band der Erkenntlichkeit an sich zogen,wurden zu Ende der Republik die Herren von einer unendli-chen Menge freywilligcr Sklaven, geiziger Bürger, und ei-gennütziger Clienten. Damals also erstreckten die Nieder-trächtigkeit von diesen, und der Stolz der andern, das Ce-remonia! überaus weit.

Es war eine fast unvermeidliche Schuldigkeit, daßman sich alle Morgen bey dem Aufstehen derer Großen, zuwelchen man gehörte oder denen man ergeben zu seyn schei-nen wollte, einfinden mußte. Der Bürger, ja oftmalsauch obrigkeitliche Personen, liefen von einer Thüre zur an-dern, den Großen einen guten Morgen zu wünschen, der auch

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