Band 
Fünfter Theil.
JPEG-Download
 

i88 xxiv. Sallier, über Platons Gespräch,

ter einen Baum, welcher nahe an dem Ufer des Ilistuswar, und allhier lesen sie dss Lystas Rede. Gokra-des wendet alle seine Aufmerksamkeit darauf, und bemer-ket so zu reden, alle Anfälle der Begeisterung welchedes Lystas Beredsamkeit an dem phädrus gewirkethatte. Er stellet sich sogar, als ob er selbst diese Bewe-gungen empfinde, und scheint von der Rede eben so ein-genommen zu seyn, als phädrus selbst, dessen Begriffevon der Beredsamkeit er auf bessere Wege zu bringengedenkt.

Als aber phadrus dem Gokrates die mündlichenLobeserhebungen ablocken will, so findet er, daß dieserWeltweise von seinem Redner so gar eingenommen ebennicht sey, als er sich anfangs gestellek hatte. Vielmehr,da Sokrares sich endlich erklären muß, so stellet er überdes Lystas Rede eine strenge Kritik an, wobey desphadrus Eigenliebe nicht wenig leiden muß. DieserMensch wird empfindlich aufgebracht, so daß er, ohneferner an des Lysras Vertheidigung zu denken, den Go-krates gerade zu antastet, und ihn heraus fordert, überdiesen Satz was bessers zu sagen. Sokrares weigertsich dessen anfänglich, endlich aber giebt er dem Bitten,dem Flehen, den Versprechungen und Bedrohungen desphädrus Gehör; denn dieser wendet alles an, seinenTadler zum Streite einzuführen.

Gokrates nimmt, ob er gleich ganz anderer Mey-nung ist, des Lystas Satz auf eine Zeitlang an, be-hauptet ihn als ober ihn glaubte, doch bloß aus Ehrgeiz,um nur dem phadrus zu zeigen was Lyjras eigentlichhatte thun sollen; und, indem er sich aul einmal stellet,als ob ihn eine göttliche Eingebung überfalle, thut er eineAnruffung an die Musen, damit sie selbst ihm von einerMaterie etwas an die Hand geben mögen, davon er,seinem Geständnisse nach, nur vom Hörensagen was wisse.Er giebt vor, daß man bloß der Macht dieser Gotthei-ten,