aus dem Plato von Gesetzen. 229
eine Kraft, die fähig ist, sich selbst eine Bewegung zu ver-schaffen, und dieselbe auch andern Dingen zu ertheilen: allevergangene, gegenwärtige und zukünftige Wesen, hängenvon ihr, als von der ersten und allgemeinen Ursache ab.Die Seele ist eher als der Leib, folglich sind auch die Sit-ten, der Willen, die Betrachtungen, die wahren Meynungen,die Wachsamkeit, die Erinnerung , eher da; als die dreyAusmessungen des Körpers, die Lange, die Breite und dieTiefe. Wir wollen dem, was wir gcsaget haben, noch bey-fügen: daß, da die Seele die Ursache von allem ist, sie esfolglich auch von demjenigen ist, was gut ist, und was böseist; was ehrbar und was schändlich, was gerecht und wasungerecht ist. Da die Seele alle diejenigen Dinge regie-ret und erfüllet, welche einer Bewegung fähig sind: so kannman sich nicht enthalten, zu erkennen, daß sie auch den Him-mel regieret. Giebt es nun verschiedene Seelen; oder giebt«6 nur eine? Ich glaube nicht, daß man bereit weniger alszwo zugeben kann. Die eine ist diejenige, die sich allezeitbestrebet, Gutes zu thun: die andere ist diejenige, die ge-rade das Gegentheil thut.
Durch die Bewegungen, welche der Seelen eigen sind,regieret sie das, was im Himmel, auf Erden und im Meereist. Diese Bewegungen sind, daß Wollen, das Prüfen,das eifrige Wachen, das Ueberlegen, das Denken, und dasVermögen, sich wahre oder falsche Meynungen zu bilden.Wir wollen noch die Freude und Betrübniß unter die Zahlihrer Bewegungen sehen. Ferner, das Zutrauen, die Furcht,den Haß, die Liebe, und alles, was von dieser Gattung ist.Dieß sind nun die ersten wirkenden Ursachen.
Durch den Gebrauch, den die Seele mit der Bewe-gung der Körper, als den zweyten Ursachen machet, bringtsie die Vermehrung, oder die Vernichtung, die Vereinigungoder Trennung der Theile, die Hitze, den Frost, die Schwe-re, die Leichtigkeit, die Harke, die Weichigkeit, das Weiße,das Schwarze und die übrigen Eigenschaften hervor.
P z Wann