zu den zehen Banden der Geschichte. 121
Demosthens Ruhm ist zu groß und zu ausgebreitet,als daß es an sich nöthig seyn sollte, Ihnen, meine Her-ren, denselben anzupreisen. Weil sich aber doch in den Sit-ten der ihigen und der ehemaligen Zeiten, in beyder Glau-benslehren, bürgerlichen Anstalten, Schwünge im Denken,Reden und Schreiben, und in andern Dingen eine so großeVerschiedenheit hervorthut, daß man es niemanden verar-gen kann, wenn er den Einfluß der Denkmaale des altenWitzes auf unsere Zeiten nicht von freyen Stücken einsieht,und daher die vortrefflichsten Meisterstücke längst zerstäubterSchriftsteller weit unter ihren wahren Werth setzet: so findeich für nöthig, in einigen kurzen und flüchtigen Betrachtun-gen Ihnen, meine Herren, die Ursachen zu zeigen: warumverständige und gewissenhafte Lehrer so sehr auf das Lesen derAlten dringen, und Sie auf den Nutzen zu führen, den diesenoch heutzutage haben.
Sie kennen, meine Herren, den Demofthenesinsgeßunmt, als den größesten griechischen Redner.Sie wissen, daß er das Muster sey, wornach der große Ciscero sich gebildet hat. Verblendet mich meine Liebe zuden Griechen nicht, berücket sie mich nicht mit einem Bor-urtheile, das den Griechen in allen Arten von Wissenschaf-ten den Vorzug über die Lateiner zuspricht; und kenne ichich den Cicero hinlänglich: so getraue ich mir zu behaupten,daß Demofthenes alle Schönheiten des römischen Red-ners besitze, ohne sich der Fehler theilhaftig gemachet zu ha-ben, in welche der Römer gefallen ist. Doch will und kannich mich weder zum Richter auswerfen, noch Palmen aus-theilen. Ein jeder von diesem edlen Paare Kämpfer magmeinetwegen die Würde und Stelle behaupten, die seineVerdienste ihm beylegen. Allein ist das nicht schon ein großerRuhm für den Demofthenes, und eine nachdrückliche An-preisung desselben für uns, daß ein so kluger Kopf, als Cice-ro war, nicht nur Geschmack an ihm gefunden, sondern auchsich ihn zum Muster vorgestellet hat? Könnte wohl etwasunsere Aufmerksamkeit mit einem gewaltigern Zuge, auf ei-
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