140 Erinnerungen und Zusätze
Dinge andichteten, die mir nie in den Sinn gekommen sind,und kein Mensch verstehen kann. Wie manches von mir istnicht einige Jahre daher ohne meinen Namen herausgekom-men, dar man ohne mein Wissen abgedrucket, und so verun-staltet hat, daß ich selbst darüber errathe, daß mir bangewird, was doch der Leser für einen Ausspruch von dem Ver-stände des Verfassers thun wird, daß ich zuweilen, wenn ichden schriftlichen Aufsaß nicht mehr zur Hand habe, selbstnicht errathen kann, was ich geschrieben gehabt habe. EineGefälligkeit, die mir schon manchen Verdruß und Unwillengekostet hat. So kann es dem guten Procop auch gegan-gen seyn. Oder man hat ihn wider seinen Willen genöthi-get, dem Kaiser Liebkosungen zu machen, die ihm nicht vonHerzen grenzen. Dafür schüttete er auch sein Herz destofreyer in der geheimen Geschichte aus. Dorten sprachen an-dere durch ihn, hier sprach er selber. Ein ähnliches Exem-pel erzählet Abulfeda auf der zu S. meiner lateinischenAusgabe, vorn Ibn Hrlal. Doch man darf sich nicht ein-mal so weit vorn Hause entfernen, noch in so veralterke Zei-ten zurück gehen. Wer kennet den Zwang nicht, unter wel-chem einheimische Geschichtschreiber heutzutage sind? einenZwang, der die Geschichte so mangelhaft, und so verdäch-tig wacher.
Was Herr Levesque mit der vermischten Geschichtemeyne, die er zu Procops dritten Werke machet, das weisich nicht. Die lrilioria nütceügnea ist eine lateinische Chro-nike, und viel neuer als Procop. Erwäget man nun fer-ner des Herrn Levesque Gründe, warum er die geheimeGeschichte seinem wahren Verfasser, der sich auch seither inderen Besitze erhalten hat, abspricht, so wird man finden,daß sie alle sehr hinfällig sind. Ich überlasse sie dem Leserzum Nachlesen, und begnüge mich sie zu widerlegen, ohne sieumständlich anzuführen.
Agarhias konnte von Procops geheimer Geschichtenichts wissen. Er konnte sie folglich auch nicht anführen.Aus dem Anfange der geheimen Geschichte erhellet, daß sie