Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883)
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um in tollen Ausschweifungen sich lustig zu machen. Kein unnützes Wortgeht mehr über seine Lippen, keine Lockung zu unmäßigem Trunk vermagihn mehr, sich zu vergessen. Laut verkündigt er auf allen Versammlungs-plätzen, die Gnade des Herrn habe ihn endlich ergriffen, und er sei ent-schlossen, nicht blos selbst fromm zu werden, sondern auch alle die zu be-kehren, die er ehedem verführt und geärgert habe. Man verlacht ihn, manerklärt ihn für einen Heuchler und reizt ihn durch gewaltsame Angriffe umsonst! Mit einemVater vergib ihnen!" erduldet er Schläge undScheltworts (er, der vorher einer der ärgsten Raufer war) und seufztüber die Verblendung der Welt zum Himmel. Einmal tritt er mit meh-reren Andachtsbüchern bepackt in's Wirthshaus und läßt es da sein an-gelegenes Geschäft sein, einen ganzen Tisch voll Schnitter, die eben ihrenFeierabend hielten, aus diesen Büchern von den Sünden ihres Lebens zuüberzeugen . . . Das Ende der Geschichte war, daß der Schwindler einesTages mit Zurücklassen einer Menge von Schulden, die er bei feinenleichtgläubigen Glaubensbrüdern gemacht hatte, auf Nimmerwiedersehenverduftete.

Vor mir liegt auch noch eine Beschreibung der Gemeinde Sternen-berg aus dem Jahr 1830, verfaßt von dem dortigen Pfarrer I. H.Sckeuchzer; allein da diese Gemeinde von jeher durch ihre eigenartigenVerhältnisse sich einen Namen gemacht hat, so kann wohl ihre Beschrei-bung für Beurtheilung des Zustandes unsers Volkes ebensowenig in Be-tracht gezogen werden, wie diejenige einer Vorstadtgemeinde Zürichs. Nurso viel sei zur Vergleichung der jetzigen und einstigen Zustände in Stcrnen-berg jenem Aufsatz entnommen:Einen günstigen Einfluß auf den bessernSinn der Gemeinde äußern beinahe durchweg rechtschaffene und verständigeVorsteher. Ohne Jntrigantenkniffe, ohne hohe Amtsmiene wissen sie sichdurch die natürlichsten Mittel in der Achtung des Volkes zu erhalten.Gesunder Verstand, Rechtschafsenheit, Wohlmeinen sind die Bürgschaft ihrerAutorität. Von den Verwaltern der Kirchen- und Armengüter ist nieauch nur der Schatten betrüglicher, eigennütziger, zweideutiger Handlungenbemerkt worden ... So schwer die pfarramtlichen Verrichtungen etwa sind