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Position halben die Liedlein in Truck gegeben haben wir in die Liedleiwdarunter wir kein Text gehabt (damit sie nicht on Text wären) andereText gemacht. . . welches dieweils kein todsünd ist achten wir man werdsuns nicht verargen."
Uebrigens mußte eines der hübschesten Lieder hundert Jahre nachSensl seinen Text eigenthümlich umgestalten lassen. Senfl singt:
Mag ich Unglück nit widerstandoch Hoffnung hanes soll nit allzeit weren,
Mancher treibt yctzund großer bracht,
wird hoch geacht,
gschicht als mit klenen eren.
Wan er die gnad von Got nit hatdas er gedeiht was jm entsprecht:all ding thon sich verkeren rc.
Dieses „demokratische Original", wie Rochlitz meint, wurde von derKönigin Maria von Ungarn mit mehr gutem Willen als poetischem Flug.umgearbeitet:
— Mag ich Unglück nicht widerstahn,
muß ungnad han
der Welt für mein recht glauben,
So weiß ich doch, das ist mein KunstGotts Huld und Gunst,
Die muß man mir erlauben.
Gott ist nicht weit, ein kleine Zeiter sich verbirgt, bis er erwürgt (!)die mich seins Worts berauben u. s. w.
Es liegt uns jetzt noch ob, einen Blick auf einige frühere Com-positioncn Senfl's zu werfen, die mehr als irgend Etwas die alte Schulekennzeichnen, und zwar gar nicht nur etwa im verwerflichen Sinne.
Es ist dem Leser noch in frischer Erinnerung, daß Senfl durchseinen Lehrer Heinrich Jsaak direkt mit der niederländischen Schule inVerbindung stand, und wenn wir in seinen großen Werken den Einflußjener Schule, deren Haupt Josquin und deren Geschichtschreiber Glarean