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originelle Hüterin zu Grabe getragen worden. Von da an stund ihrHaus für fremde Leute da.
Der Zuvorkommenheit des neuen Besitzers hatten wir eine Frist zuDerdanken, in welcher manche Einzelnheiten gezeichnet werden konnten.Leider war sie zu kurz bemessen, um die beabsichtigte Ausnahme des Ganzenzu gestatten. Es begann der Abbruch vom Firste bis zum Keller. UnterBedingungen, welche noch keineswegs den bald so schwunghaft gewordenenLiebhaberpreisen entsprachen, wurde die ganze Ausrüstung des oberen Saalesnach Deutschland verkauft, eiu zierlicher Ofen wer weiß wohin gegeben;es verschwanden die stattlichen Schränke auf den Gängen, die StuccaturenDes oberen Flures, die kunstreichen Beschläge an Thüren und Fenstern,und nichts ist erhalten geblieben als die schöne Stube der Bel-Etage, dieseither das oberste Stockwerk des Neubaues schmückt').
Der Erbauer dieses Hauses, dessen Fa^ade das Datum 1615 trug,ist der Obmann und nachmalige (seit 1617) Bürgermeister Hans HeinrichHolzhaib gewesen. Seinem Wappen zu Ehren hat er ihm den Namen„zum wilden Mann" gegeben und denselben in dem Standbilde einesWaldmenschen verewigen lassen, der jetzt in seinem alten Steingehäuse ander Hinterfront«: des Neubaues zu sehen ist.
Die alte Fa^ade konnte für eine musterhafte gelten. Sie war ganzaus Ouadern erbaut. Einfache Gurten trennten die Etagen, deren dreisich über dem Erdgeschoß«: erhoben. Zur Rechten, von der Lavatcr'schenApotheke durch ein viereckiges Gitterfenster getrennt, lag die Thüre. DerFlachbogen, den ein zierliches Eisengitter schloß, war mit Rollwerk ge-schmückt und von breiten kahlen Pilastern slankirt, über denen ein mitRosetten und Cartouchen besetzter Fries den gebrochenen, wieder mit Roll-averk gefüllten Giebel trug. Zwei Doppelfenster befanden sich zur Linken.Die folgenden Stockwerke waren ungleich bcsenstert: Die Bel-Etage mit
') Täfer, Decke und die beiden Thüren stammen aus dem Zimmer derBel-Etage, Ofen und Büffet dagegen aus der im zweiten Stocke gelegenenHinterstube.