Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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die betreffende Familie 13 arme Personen zu einem nächtlichen Liebes-mahl eingeladen hatte.Wenn uns der liebe Gott so gern Gutes thut",sagte der Hausvater dem erfreuten Seelsorger,warum wollten wir esnicht eben so gern thun?"

Gesälligkeit und D i e n stf e r t i g k e i t sind an den Bauernebenfalls zu rühmen. Sie helfen einander aus, so viel sie können. DemArmen pflügen sie seinen Acker manchmal ohne Entgelt. Ist ein StückVieh krank, so hilft ihm der Nachbar mit dem seinigen aus. Das Alleserscheint ihnen als ganz selbstverständlich. Eine fernere gute Eigenschaftder Bauern ist ihre Arbeitsamkeit. Man haßt die Trägheit sosehr, daß es nicht selten Fälle gibt, wo ein Müßiger, der seine Arbeits-zeit beim Trunk verschleudern will, von den Bauernjungen tüchtig abge-prügelt wird, bis er verheißt, künftig fleißiger zu sein. Als weitereTugend kommt hinzu die Zufriedenheit. Haushaltungen von achtund mehr Personen begnügen sich den ganzen Tag nur mit Brod, Krautoder Rüben und schätzen sich dabei so glücklich, als der reichste Herr beiseiner Tafel; sie begehren nicht mehr, als sie haben, und murren niewider die Vorsehung.

So weit der Vertheidiger des unbillig beurtheilten Landvolkes. Wirspüren's: Hier redet ein Mann, der die Gemeinde kennt (Vikar Brenn-Wald war in Kloten aufgewachsen) und dessen Urtheil kein oberflächlichesist. Das jedoch dürfen wir nicht vergessen: Es war seine ausgesprocheneAbsicht, nur die guten Seiten seiner Pfarrkinder hervorzuheben. Wirhaben also in dieser Arbeit sowohl, wie in derjenigen über die schlimmenVorurtheile des Bauern, nicht ganz das treffende Bild der damaligenZustände; dies entsteht erst, wenn wir beide zusammenhalten und weitereSchilderungen der damaligen Verhältnisse zur Begleichung hinzunehmen.

Die genannten Aufsätze regten manchen Zuhörer oder Leser an,mehr als bisher auch nach den Zuständen der eigenen Gemeinde zufragen und die Resultate seines Nachdenkens und seiner Erfahrungen inForm einer zusammenfassenden Darstellung dessen, was über die Ge-meinde gesagt werden konnte, der Gesellschaft vorzulegen. Aus der Zeit