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durch den Freiherrn Thomas von Falkenstein im Jahr 1444, ausführlich,erzählt von unserm Chronisten Bullinger, dessen Bericht bei Rochholz,Aarg. Sagen II, 356—360, abgedruckt ist. Weniger bekannt ist der imJahr 1464 von einem Müller in Rheinselden gemachte Versuch,mit Hülse bernischer Kriegslcnte die österreichische Stadt an Bern zubringen. Die eingedrungenen Feinde wurden wieder hinausgeworfen, derverräterische Müller gefoltert und hingerichtet. (Rochholz a. a. O. S. 365chDie Ortssage (a. a. O. I, 204) erzählt von einem Müller, NamensGast, der im Jahr 1633 Rheinselden an die Schweden verrathen wollte.Beide Berichte sind sagenhaft ausgebildet und zum Theil ineinander ge-flossen; das spätere Ereigniß ist wohl nur eine Auffrischung des ältern.Der Name Gast eignete sich gemäß seiner appellativen Bedeutung, welcheeinen Fremden, ursprünglich sogar einen Feind bedeutet, und in derVolkssprache auch noch als Schimpfwort gebraucht wird, zur Bezeichnungeines Verräthers.
In den Burgunderkrieg (1476) fällt die Mordnacht von Averdon,wo der Graf von Romont mit Hülfe burgundischer Schaaren und im.Einverständniß mit der Bürgerschaft die luzernische Besatzung überfiel.In dieselbe Zeit ist vielleicht der Vorfall zu setzen, zu dessen Andenken^wie Einige glauben, in Neuenburg 1a Me äes arwourins gefeiert wird.Bei der Belagerung von Granson sei auch das mit den Eidgenossen ver-bündete Neuenburg gefährdet und ein Zug bewaffneter Bürger in dasSchloß nöthig gewesen. Oder: ein Graf von Neuenburg habe im Ein-verständniß mit den Burgundern die Stadt um ihre alten Freiheiten,bringen wollen u. s. w. (Alpenrosen 1820, S. 252).
Noch sagenhafter sind folgende Mordnächte, wieder nach der an-geblichen Zeit geordnet, welche aber zum Theil nur ungefähr an-gegeben wird.
Im Jahr 1238 (oder etwas später) suchte der um Zofingenwohnende, von dem gebannten Kaiser Friedrich II. abgefallene Adel imBunde mit den Dominikanern der Stadt sich dieser zu bemächtigen u. s. w.(Rochholz, A. S. II. 368.) Im Taschenbuch der historischen Gesellschaft