Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM K 59 : 1883 Expl. 2)
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Dafür aber hatte Zürich das Glück, in jener Zeit einen glänzendenKreis von weltlichen und geistlichen Herren und Frauen besessen zu haben,der sich die Pflege der deutschen Poesie und namentlich die Erhaltungder Erzeugnisse einer kurz vorausgegangenen klassischen Periode angelegensein ließ. Wie man weiß, sammelte sich diese ritterliche Gesellschaft umdie edlen Manesse, Vater und Sohn.

Der Züricher Dichter unserer Tage hat in einer seiner schönen No-vellen mit der Intuition des ächten Genius ein anmuthvolles und ge-treues Bild jenes Kreises entworfen.

Das Geschlecht der Manesse, in Zürcher Urkunden des 13. Jahr-hunderts eines der meistgenannten, wird auffallender Weise vor demdritten Dezennium desselben Säkulums nirgends erwähnt. Ritter Rü-diger Maneß l. erscheint von 1224 an und starb 1253. Rüdiger II.(zur Unterscheidung von einem seiner Söhne gleichen Namens auch derältere genannt), der Sängerfreund, ist der ältere Sohn Rüdigers I.und der Stifter der Linie Manegg. Von 1252 an ist sein Name mitden Geschicken der Stadt Zürich enge verbunden, 1264 wird er bereitsals Mitglied des Raths aufgeführt, 1268 führt er den Titel eines Ritters.Von 1280 an bis 1302 finden wir ihn regelmäßig unter den Raths-mitgliedern aus dem Ritterstande, seit 1283 steht er im sog. Herbstrathean der Spitze derselben. Volle achtunddreißig Jahre war er somit in derangesehenen Stellung eines Rathsherren; seinen Einfluß beweisen zahl-reiche, zum Theil wichtige Angelegenheiten, bei denen er als Schiedsmanirund Zeuge angerufen wurde. Er starb am 5. September 1304. DieUrkunden nennen auch seine beiden Gemahlinnen, Adelheid und Mar-garethe Rüdiger Manesse's Stadtwohnung war wohl der Manesse-Thurm zu oberst an der Schosfelgasse. Wenigstens gehört dieses Besitz-thum bereits seinem Sohne und Enkel. Wann und auf welche Weiseer in den Besitz der benachbarten, am Abhang des Albis gelegenen BurgManegg und der damit vereinigten Höfe gekommen ist, weiß man nicht.Von seinen vier Söhnen überlebte er drei, die sämmtliche dem geistlichenStande angehörten: Rüdiger III., der Chorherr und Scholastikers, d. h'