Jahrgang 
8 (1887)
Seite
26
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Neue Mittheilungen.

II.

An Johann Wolfgang Göthe.

Den 28. Aug. 1789.

Sanct Johannes der zweite (den erften erschlugen die Mörder,ob er gleich fterbend noch: iiliebt euch, ihr Kinderchen ! sprach;)Also Joannes Secundus Evangelista vertraut Diraus Elysium heut küßend den holdeften GrußBruder, Tertie, spricht er, Du nimmft an Weisheit und Alter,nimmft an der Grazie zu, wie sie den Göttern gefällt,

Und den Menschen. Wohlan! Halt meiner weih ich Dich heute ;krönen am Ende des Buchs wird Dich ein andrer, ein Gott.

Aus dem Munde der Unschuldigenempfangen Sie unsre treuen Wünschedie keine Worte ausdrücken.und danken wollen wir Gottdaß Sie da sind.

Weimar den 28. Auguft 1789. C. H.

12.

Ich habe mich diesen Morgen unter unser Dach ge-flüchtet, um die heiligen Reliqien Blätter zu lesen, u. un-geftört zu geniessen. Ach daß sie im Anfänge schon auf-hören! ich danke Ihnen unendlich dafür. Wer könnte unsnun Rom, Kunft u. Liebe schöner geben als Sie! Sie würdenes zehnfach wiedergeniessen indem Sie es aufzeichneten,u. mir Unbekannten wäre es als vom Berge ins gelobteLand zu sehen.

Möge doch Ihr Genius etwas zulispeln!

Ich habe meinem Mann nichts davon gesagt. GlaubenSie aber nicht daß es ihm eine angenehme Erinnerunggeben würde wenn ichs ihm vorläse? oder wenn wir einenAbend zusammen wären u. Sie u. Meier sprächen darein o, man muß das Leben durch Erinnerung schön u.leicht zu machen suchen.