Jahrgang 
8 (1887)
Seite
37
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Charlotte v. Schiller an Goethe.

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VI. Briefe von Charlotte von Schiller.

24.

Jena den 8ten Juni 95.

Da die Vollendung des Centauren, Schiller heute ganzvon der übrigen weit trennt, u. er Ihnen gern ein lebens-zeichen geben möchte, so trägt er mir auf Sie herzlichzu grüßen in seinen Nahmen, u. Ihnen zu sagen daß ersich erträglich befände. Sein Fieber hat doch keine Folgengehabt, u. es ift bey diesen einen Anfall geblieben. Schillerwünschte sehr daß Sie jezt hier wären, u. daß er sichrecht mit Ihnen aussprechen könnte, wir machten unshofnung Sie würden vielleicht den guten Gedanken aus-führen u. noch einmal zu uns kommen ehe Sie Ihre Reisenach den dunkeln Fichtenwäldern antreten. Daß Sie unswillkommen wären wißen Sie hoffentlich, auch ohne meineVersicherung.

Wir sind aufs neue von Humbolds getrennt, dennCarl hat die Masern wircklich bekommen, aber er ift rechterträglich, u. hat ein mäßiges Fieber biß jetzt, u. ift nichtübel disponirt, so daß ich hoffe es wird so fort gehen, u.er es bald überftanden haben.

Leben Sie wohl, u. denken unser oft, bey Ihren Wan-derungen, u. bleiben Sie nicht so lange aus unsern Ge-genden, daß wir Sie bald wieder be3^ uns sehen, u. SeynSie recht herzlich von mir gegrüßt.

Lotte Schiller.

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Jena den ijten Juli pj.

Damit Sie unter der schönen bunten Welt, die Sieumgiebt, auch an Ihre einsamen Freunde erinnert werden,so schreibe ich Ihnen, da es Schiller selbft nicht kann.Ich soll Ihnen die beften Grüße von ihm sagen, er wirdes hoffentlich bald selbft thun, Heute ift er nicht so wohldaß er etwas, was ihm intereßirte vornehmen könnte,seit 10 tagen regen sich die Krämpfe heftiger, und seit