Jahrgang 
8 (1887)
Seite
127
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Dreizehn Briefe nebst einem Fragment Goethes.

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Brief vom 27. September 1775 ist abgedruckt bei Rieger,Klinger S. 62 A.

(1776, 6. Januar von Nikolai dazugeschrieben.) »Goetheist freilich in Weimar. Er ging dahin wie es hiess um Wie-land tod zu reiten hatte das hohe Lied Salomonis übersetztund mitgenommen, um W. aufzufordern ihm die Obscönitätenzu zeigen, die er im Merkur dem Buche vorwirft. Ich höreaber er verträgt sich ganz gut mit ihm. Die Recension vonden Goetheanis in der Bibi, die Ew. Herrlichkeit ohne Zweifelselbst gemacht haben ist sehr gut«.

24. April 1776: »Die Recensionen von Goethe und Lenzund Klinger sind sehr gut. [Nikolai hat dazugeschrieben:in XXVII 2.] H. Dz. ist ein braver Mann. Die Physiognomikhat ihn bey Kl. nicht betrogen. Kl. hat Genie aber dochnicht den zehenden Theil dessen dass er zu haben glaubt.Ich muss doch fühlen, was für Kraft in mir liegt, die Hunds-fütter in der Bibi, mögen sagen was sie wollen. So ungefehrredet er von sich. Unerträglich ist mirs oft zu hören, wiedie Leutchen aus der Goetheschen Schule von sich und vonandern urtheilen. Goethe Lenz Kayser [Nikolai hat an denRand geschrieben: Wer ist.] sind Halbgötter. Lessing ist nurallein in der Komposition etwas. Sein Faust wird gegen denGoetheschen eine armselige Figur machen. Gessner ist nichts,Rabener ein langweiliger Schwätzer, Ramler ein kalter elenderMensch, Jerusalem und Mendelssohn stupor vulgi hosfecit philosophos, Nikolai hat gar keinen Verstand. Dass Wie-land und Goethe Herzensfreunde sind wissen Sie ohne Zweifel.W. schrieb an Jemanden: Hölle Tod und Teufel sollten ihnnicht scheiden von Goethe. Gut per nos licet wünsche guteContinuation. Dass Herder nach Weimar geht ist bekannt.Der Bericht der theol. Fakultät in Göttingen seinetwegen sollin essentialibus geheisen haben, er sey zwar othodox aberein Narr. Ich habe auch nichts dagegen«.

Zur Erklärung der vorstehenden Briefstellen braucht nichtviel bemerkt zu werden. Über den Antheil an den Frank-furter gelehrten Anzeigen ist Folgendes zu vergleichen : dieRecension über B. Th. C. Beckers »Sammlung merkwürdigerRechtsfälle« Neudr. S. 496498. Die über Gessner S. 446449durch Schlosser für Goethe bezeugt (das. S. XLV); durch einanderes Zeugniss Hopfners für denselben: Hausen und Poln.Jude (a. a. O.) Schlosser als Hauptmitarbeiter (das. S. XLVIII).Merck als Verfasser der Recension über Sulzer (das. S. XLIII.) Der »Brief eines Pastors« ist natürlich Goethes theologischeSchrift. Die »Rhapsodie von Reimhard« vermag ich nichtnachzuweisen. »Bacchidon und Milon, eine Idylle; nebst einemGesang auf die Geburt des Bacchus. Von einem jungen Mahler.