Chronik.
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und seiner Frau Johanna, geb. Wesselhöft aus Hamburg, alsEnkel des Erwerbers jener Buchhandlung und Urenkel desersten Buchhändlers der Familie geboren. Dass er ein Kinddes verflossenen Säkulums sei, ist ihm manchmal mit feind-seliger Anspielung auf veraltete Lebensanschauungen undGewohnheiten vorgeworfen worden; er selbst rühmte sichgern dieser Zugehörigkeit zum grossen Jahrhundert unsererLiteratur. Schon 1798 siedelte sein Vater nach Jena über,um dem Mittelpunkt des geistigen Lebens jener Zeit näherzu sein; geschäftlich war dieser Entschluss nur vorübergehendvon glücklichem Erfolg; auf die Dauer aber verdankte dieFamilie ihm die persönliche Beziehung zu einer grossen Reihebedeutender Männer vor allem zu Goethe. Darüber, wieüber das Verhältniss vieler Anderer zu seinen Eltern hatFrommann in der eben angeführten Schrift selbst berichtet.Dort findet sich auch eine von seiner Mutter verfasste Schil-derung des bedeutendsten Ereignisses seiner Knabenzeit, derSchlacht von Jena. Wenn der Neunjährige die Grösse desUnglücks auch mehr mittelbar aus dem Anblick seiner besorg-ten Eltern erschloss als mit vollem Bewusstsein erlebte, soerhielt sich doch die Erinnerung an die Schreckenstage langelebendig in ihm und in einem vom 14. Oktober 1821 datirtenBriefe schreibt er aus Frankfurt an seinen Vater: »Deri4te Oktober lässt sich jetzt ertragen, wo der i8te sobalddarauf folgt«. Der Tag von Leipzig wurde, wie in der StadtJena und im Weimarischen Lande überhaupt, so auch imFrommannschen Hause als Festtag begangen und nur ungernsah ihn Frommann später durch die Sedanfeier mit ihremofflcielleren Gepräge verdrängt.
Auch die kurzlebigen Hoffnungen, die 1809 der ohnerussische Hülfe errungene Sieg von Aspern und der Freiheits-kampf der Tiroler erweckte, grub sich tief in seinem Herzenein, und gern erzählte er später davon, wie er und seineSpielkameraden mit Bohnenstangen bewaffnet, im selbstver-fertigten Tschakko unter dem aus Goldpapier hergestelltenZeichen E. C. (Erzherzog Carl) am Landgrafenberg ungefährlicheManöver ausgeführt.
Auch gegen die eigenen Hausgenossen scheint sich zu-weilen seine kriegerische Stimmung gerichtet zu haben. Soberichtet er von Minna Herzlieb, die mit ihm und seiner 1800geborenen Schwester Allwina im elterlichen Hause erzogenwurde: »In der Periode bis 1809 konnte ich mich mit ihrnicht immer vertragen. Sie neckte gern und machte mir etwasweiss, worüber meine Wahrheitsliebe ergrimmte. Einmal ver-folgte ich sie in meinem Jähzorn mit einem Fahnenstiel inder Hand die Treppe hinunter bis an die Küchenthür, die
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