Chronik.
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matiker, liess die unmathematischen Köpfe und faulen linksliegen und begnügte sich die zu fördern, die aus Lust oderGewissenhaftigkeit sich Mühe gaben. Diesen gab er wöchent-lich eine Stunde gratis. Uckert, der bekannte Historiker,hatte etwas Vornehmes, als hielte er sich eigentlich zu gutfür sein Amt, und war nicht beliebt, aber geachtet, durch seinschneidiges Urtheil auch gefürchtet.
Trocken, aber von unerschütterlicher Ruhe und Unpartei-lichkeit eiendete der alte Kaltwasser seine Schüler 11/2 Jahredurch die gründliche Erklärung des 2. Buches von Herodot,der Beschreibung Egyptens, während der jugendliche, poetischerregbare Schäler die traurige Nothwendigkeit grammatischerÜbungen durch eine bilderreiche Sprache zu versüssen trach-tete; z. B: »den Aoristus müssen Sie sich denken wie einenSchmetterling, der im Raume der Zeit herumfliegt und sichhie und da auf die Blume der Gelegenheit setzt«.
Vom französischen Unterricht des Professor Dufresnewurde Frommann auf den Wunsch seines Vaters dispensirt,damit er nicht sehen solle, wie ein Lehrer von seinen Schülerngeuzt werde. Natürlich erfuhr er trotzdem, dass regelmäßigbeim ersten Glockenschlag Einer aufstand und meldete : »HerrProfessor, es hat geschlagen«, worauf dann die ebenso regel-mäßige Antwort erfolgte: »Ick abs geöört!« Bei diesemunglücklichen Opfer jugendlichen Übermuthes hatte er späterPrivatstunden, konnte sich aber lange nicht zum Französisch-sprechen entschliessen, bis ihm das Jahr 1813 die Zunge löstebei der häufig erörterten Streitfrage, ob die Franzosen oderdie Deutschen siegen würden. Die Disputation schloss jedes-mal mit der Phrase: Nous verrons. Nach der Schlacht beiLeipzig wurde Dufresne in Folge eines ungerechten Verdachtesder Spionage vertrieben und von seinen Schülern eine Streckegeleitet, wobei die letzteren es nicht über das Herz zu bringenvermochten, von ihm mit den beabsichtigten Worten zu scheiden:Nous avons vu.
Unter den Mitschülern, die im späteren Leben mit From-mannin Verbindungblieben, werden Scheidler.der Mitbegründerder Jenaischen Burschenschaft, und Freiherr Hermann v. Roten-han genannt, welchem letzteren Frommann noch in seinenletzten Lebensjahren ein biographisches Freundschafts-Denkmalgestiftet hat.
Ausser den gewöhnlichen Unterichtsgegenständen lernteer mit einigen Selektanern bei Uckert auch Italienisch undfreute sich bald ohne Schwierigkeit den Tasso lesen zu können.Sein Lieblingsfach aber war das Griechische, dem er weitüber die Schulzeit hinaus treu blieb; als Berliner Studentlegte er durch das Studium der grossen griechischen Historiker,