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Chronik.
des Despotismus nur auf Commando des Königs geehrt, so-wie sie unter Friedrich II. auf allerhöchstes Beispiel hin ver-spottet worden war.
Sogar der französische Gesandte hatte die Unverschämt-heit, sich an der Demagogenhetze zu betheiligen und sichbei Humboldt zu beklagen, dass ein Mitglied der Akademie,ein Monsieur Chellermeyere (er meinte Schleiermacher) unterder akademischen Jugend des idees dangereuses verbreite.
Aber auch auf der anderen Seite, in den Kreisen derTurner, fand Frommann allerlei Willkür zu bekämpfen undreichte Uber das, was ihm als Missbrauch erschien, einenAufsatz beim Turnrath ein; derselbe ist verloren gegangen,doch hat sich von Goethes Hand, der ihn sich ausgebeten,ein Zettel erhalten des Inhalts: »Eine reine Sache ist nichtüberzeugender und klarer darzustellen«. Darüber schreibtFrommann an seinen Vater: »Goethes Zettelchen hat michsehr gefreut; wie er eine Freundlichkeit doch zierlich er-scheinen zu lassen weiss!«
Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, dass in jenerEingabe an den Turnrath die Wahl der Vorturner nach per-sönlichen Beziehungen zu Jahn, statt nach ihrer Tüchtigkeit,das corporalmässige Verlesen der Mitgliederliste auf dem Turn-platz zur Feststellung der Fehlenden und bei den Übungendie Vorliebe für Bravourstücke am Reck und Barren getadeltwurden, während das für’s praktische Leben wichtigere Klet-tern, Springen, Ringen, sowie Reiten, Fechten und Schwimmenvernachlässigt werde.
Kurz vor der Verhandlung über seine Eingabe schreibter: »Ich habe die Brandfackel in den lang schon gehäuftenBrennstoff geworfen und es' brennt schon recht lustig«. AmTage der Berathung, bei der Jahn selbst nicht zugegen war,lief die Sache ruhiger und befriedigender ab, als Frommannund seine Freunde erwartet hatten; »Gestern«, so berichteter, »wunderten sich meine Freunde alle, mich lebendig ausdem Turnrath gekommen zu sehen, weil sie meinten, manhätte mich fressen wollen. Da sagte ich ihnen, es sei eherdanach gewesen, dass ich den Turnrath, als dass er michgefressen«. Das Verhältniss zu Jahn war nun allerdings ge-stört; doch als ihn Frommann 30 Jahre später auf einer Fuss-reise in den Harz mit zweien seiner Söhne in Freiburg besuchte,kam es zu einer vollständigen Versöhnung, und mit schmerz-lichem Stolz erinnern sich die letzteren noch heute des vomalten Turnvater erhaltenen wuchtigen Händedrucks.
Auch die mit Schläger, Wort und Feder ausgefochtenenKämpfe mit den Landsmannschaften führten zum glücklichenResultate der Gründung einer Berliner Burschenschaft. Unan-