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Chronik.
in Osnabrück und Graf Rantzau in Kiel und war begeistertvon der Liebenswürdigkeit, mit der ihn Mutter und Schwesterndes letzteren aufnahmen; hier lernte er auch Dahlmann kennen,der nach dem Ausspruche der Gräfin Rantzau in der Freund-schaft nur grob Courant, keine Scheidemünze hatte. In Casselwurden die Gebrüder Grimm besucht, und noch i. J. 1860 er-innerte sich Jacob bei einem letzten Wiedersehn in Berlinihres gemeinsamen Gewaltmarsches nach Wilhelmshöhe.
Zu seinerweiteren geschäftlichen AusbildunggingFrommann1821 nach Frankfurt und arbeitete in der Andreae’schen Buch-handlung. Der Ton des geselligen Lebens, wenigstens unter denjungen Leuten seiner Bekanntschaft, schien Frommann ober-flächlicher und der Werth der Persönlichkeit hinter dem desGeldes mehr als in Hamburg zurückzustehen. Doch in zweiFamilien fand er reiche Befriedigung für die Bedürfnisse vonGeist und Herz, bei Geheimrath von Willemer und Frau vonLöw. An ersteren hatte ihm Goethe einen Empfehlungsbriefmitgegeben, und obwohl beim Empfang Frau v. Willemer ihreVerwunderung nicht verhehlte, dass Goethe ihnen einen sojungen Menschen zuschicke, was sonst nicht seine Art sei,gestaltete sich das Verhältniss bald für Frommann so er-freulich, dass er auf der Gerbermühle eine Reihe der schönstenTage verleben durfte und die angenehmsten Erinnerungen andiesen locus classicus mit fortnahm. Bei dem herzlichen,durch einen Kuss besiegelten Abschied schrieb ihm die Su-leika des west-östlichen Divans folgendes Gedicht in seinStammbuch:
»Kennst Du die Stadt an dem bescheidnen Strom,
»Dem niedern Dach entsteigt der ernste Dom,
»Die Hügel schmückt der Gärten Blüthenkranz,
»Den Berg entflammt der Abendsonne Glanz;
»Kennst Du ihn wohl? Wohin, wohin»Will unser Freund aus ihren Mauern ziehn?«
»Kennst Du das Haus und seinen kühnen Plan,
»Ein Kirchlein trägt der luftige Altan,
»Zwei Schornsteinthürmchen stehn und sehn Dich an,»Was hat man Dir, Du armer Mann gethan?
»Kennst Du es wohl? Dahin, dahin»Wird Dich das Herz aus weiter Ferne ziehn«.
»Kennst Du den Weg durch Feld und Wiesenflur?
»Der Wagen sucht vergebens eine Spur,
»Fern unter Bäumen rauscht der Mühle Bach,
»Ihr Schatten birgt dem Freund ein gastlich Dach;»Kennst Du ihn wohl? Dahin, dahin»Geht noch ein Weg, Du musst vorüberziehn«.