■f* 15 +1*—
und so lange von ihrer Wirksamkeit eine Spur bleibenmag, unlösbar verknüpft. Mit hochherziger Begeisterunggriff er vor zwei Jahren jene edlen Ideen und Absichtenauf, welche die Frau Grossherzogin von Sachsen erfüllten,als sie sich durch testamentarisches Vermächtniss plötzlichin den Besitz der kostbaren Schätze des Goethe-Archivseingesetzt fand. Jenen Ideen körperliche Gestalt zu ver-leihen, für sie die ganze gebildete Welt, vor allem unserdeutsches Vaterland zu interessiren, und so ihre Ausführungzu ermöglichen, — dazu war er berufen wie keiner. Seinehöchst hervorragende literarische Bildung, der ächte, lebhafteKünstlerenthusiasmus seiner Seele für alles wahrhaft Guteund Schöne, seine unermiidete und vor keiner Aufgabezurückschreckende Arbeitskraft, seine vielfachen, immermit Sorgfalt gepflegten Beziehungen zu den angesehenstenund bedeutendsten Vertretern unseres Volkes auf denGebieten der Kunst und Wissenschaft, endlich die wohl-verdiente, persönliche Vertrauensstellung, welche er amGrossherzoglichen Hofe einnahm, — alle diese Momentebefähigten ihn in erster Linie dazu, den grossen und schönenIntentionen seiner hohen Auftraggeberin in weitestem Um-fange gerecht zu werden.
Dass die Goethe-Gesellschaft schon heute sich einerso glücklichen und am Tage ihrer Gründung in diesemUmfange kaum erhofften Fortentwicklung rühmen kann,ist nicht zum geringsten Theil das Verdienst seiner rast-losen und einsichtsvollen Thätigkeit für dieselbe, der be-ständigen Anregungen, die er ihr zu geben wusste. Galtdoch auch ihr gewissermassen sein letztes Denken! Un-mittelbar nachdem er dem Geschäftsführenden Ausschussdie Vorlagen für die am 21. Mai stattfindende General-Versammlung gemacht hatte, ergriff ihn jenes todbringendeLeiden. Er sollte die zweite Generalversammlung nichtmehr erleben!
Geistig beweglich, scharf blickend, zu jeder Stundeebenso bereit, Anregungen zu geben wie zu empfangen,