Von 'Paul Heyse.
XI
O wer zurück uns brächte solcher StundenUnschätzbar Glück, das Jedem, der’s empfunden,Durchs Leben folgt’, als sei von dieser ZeitSein Thun und Denken höherm Ziel geweiht,Als habe, wer durch dies Gemach gegangen,Des Geistes Ritterschlag empfangen!
So war auch dir zu Sinn, du edler Schwärmer,Der du die Sappho schufst und, wohl bewusstDer hohen Sendung in der eignen Brust,
Nie dich empfandst an Worten ärmer,
Nie reicher an Gefühl. War’s denn kein Traum?Was Jahre lang inbrünstig du erstrebt,
Nun greifst du’s mit der Hand, nun wird’s erlebt:
Du stehst vor Ihm! Und doch, du glaubst es kaum,Dass dir sein Wort ertönt, sein Blick erstrahlt,
Den du in jugendlichen GlutenGleich einem Gott unirdisch dir gemalt.
Und da du jetzt ihn siehst, den Liebevollen," Guten,Wie er vertraulich sich dir naht,
Die Hand, die Götz und Faust geschrieben hat,
Die deine fasst, zu Tische dich zu führen,
Da übermannt dich fassungsloses Rühren,
Und denkend, dass du Gast in solchem Haus,
In stürmische Thränen brichst du aus.
O süsse Thränen, Thau so fruchtbar mild,
Du edelster, der Menschenaug’ entquillt,
Wenn Andacht, scheuer Dank, des Strebens Qual und LustGewitternd gährt noch in der Mannesbrust,
Die in der Räthsel Überschwang,
Stolz und verzagt, voll Inbrunst, selig bangErschrickt vor so viel HimmelsgnadenUnd sich in Zähren muss entladen.