Jahrgang 
9 (1888)
Seite
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Briefe an Goethe von Jacob Grimm.

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selben viel gethan hat, zugeeignet. Den erften oder zweitenTheil gedenkt Hr. Vuk Ihrer Durchlauchtigften Großfürftinzu widmen. Eure Excellenz werden ihm am bellen sagen,ob es dazu einer vorgängigen Erlaubnis bedarf? und insolchem Falle vielleicht die Güte haben, sie zu vermitteln.Gebornen Russen sind serbische Lieder leicht verftändlichund schönere, lieblichere hat die russ. Literatur schwerlichaufzuweisen.

Da ich mich mit der serb. Sprache beschäftigt habeund mit Hülfe des Wörterbuchs die Lieder ziemlich ver-liehen kann; so bin ich so frei, zur Probe die Übersetzungeines der kürzeren, wie sie in der Geschwindigkeit ebengerathen will, beizufügen. Es ift aber kaum thunlich, dievollkommenen Formen dieser Sprache in unser viel mehrabgeschliffenes Deutsch, dem außerdem der trochäischeSilbenfall unbequem ift, zu übertragen und je bekannterman mit den Originalen wird, defto mehr jammert es einen,sie im deutschen Ausdruck zu radbrechen.

Ich bin mit Verehrung

Cassel i Oct. 1823.

Eurer Excellenz

gehorsamftr Dr.Grimm.

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Ew. Excellenz

haben durch die wohlwollende Aufnahme des Herrn VukSich denselben zu immerwährender Dankbarkeit verbunden..Er ift gegenwärtig in sein Vaterland heimgekehrt, wo esnicht an Verkennern und Befeindern der verdienftlichenBemühungen dieses Mannes fehlt. Zumahl scheint ihm dieserbische und ungrische Geiftlichkeit abgeneigt, welche denengen Kreis ihrer Kirchensprache durch die Aufmunterungund Hervorhebung der lebendigen Landessprache beeinträch-tigt wähnt, die Volkslieder für zu frei oder abgeschmacktund der Sammlung für unwerth hält.

Das beiliegende Lied von der Erbauung Scutari's hattemich durch seinen Inhalt, der sich mit weitverbreiteten