Briefe Arthur Schopenhauers.
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was Mancher, z. B. Kant, nur als Früchte der Jugend ein-marinirt im Essig des Alters auftischen konnte. — Ich binim 3iften Jahr. — Der Titel des Buchs, den bis jetzt außerdem Verleger u. mir noch kein Mensch weiß, ift: »DieWelt als Wille u. Vorftellung, vier Bücher, nebft einemAnhänge, der die Kritik der Kantischen Philosophie ent-hält«. — Brockhaus erhält den Auftrag Ewr Excellenz einschönes Exemplar zu übersenden. Ich kann, nach unserneinftigen philosophischen Dialogen, nicht umhin, mir vielHoffnung auf Ihren Beifall zu machen, falls Sie noch dieGeduld haben, sich in einen fremden Gedankengang hinein-zulesen. Es werden wenigftens 40 Bogen.
Meine Farbentheorie hat noch keine, wenigftens keinelautgewordene Sensation gemacht, — wie der Stein im Sumpfkeine Ringe: doch bin ich guter Dinge: denn das Aechteu. Wahre schafft sich zuletzt immer Recht und Platz.Auch sehe ich doch schon jetzt wie dieser spitze Keilmeiner Theorie der breiteren Masse Ihrer Farbenlehre dieBahn bricht, im Stillen gewiß sehr wirkt u. allmähligAlles umftimmt, obgleich für jetzt man sich noch schämtIhnen zuzurufen: pater peccavimus! — Da hat z. B. dieLeipziger Lit: Zeit., welche im Auguft 1815 so dumm-frech, frevlerisch u. vermessen über Ihr Werk in letzterInftanz den Stab brach, am i4 ten Juli 1817, meine Sachevornehmend, ein Meifterftück in der einlenkenden Maniergeliefert. Der Kerl windet sich, wie ein Wurm; weiler merkt wie es enden muß: er gefteht allmählig ein, ichhätte ganz u. gar Recht in allen Stücken: nur meint er,Newton könne dabei doch noch beftehn, u. redet nochimmer, wiewohl ganz kleinlaut, von homogenen Lichtern:am Ende sagt er, daß wenn es auch gar noch dahin käme,daß auch Sie zuletzt Recht behielten, so hätten dann dieNewtonianer sich damit zu tröften, daß sie doch bei allenDebatten immer fein höflich gewesen, wir aber sackgrob.Ein sauberes refugium bei einerfaulen u. schändlich geführtenSache! — Einliegend finden Sie das Werk eines von mir